2014-07-29

Soziale Netzwerke und der Echtzeit-Krieg

--- Mit CNN im ersten Golfkrieg & Bloggern fing es spätestens im "2. Irak-Krieg" an, jetzt bestimmen Mikro-Blogs und soziale Netzwerke wie Twitter den "Echtzeit-Krieg" an den Empfangs- und Sendegeräten. David Carr hat dazu in der "New York Times" einige Beobachtungen notiert:
War correspondents arriving in a hot zone now provide an on-the-spot moral and physical inventory that seems different from times past... The absence of the conventional layers of journalism — correspondents filing reports that are then edited for taste and accuracy — has put several journalists under scrutiny, mostly for responding in the moment to what they saw in front of them... The public has developed an expectation that it will know exactly what a reporter knows every single second, and news organizations are increasingly urging their correspondents to use social media to tell their stories — and to extend their brand... Twitter’s ability to carry visual information has made it an even more important part of the news narrative. A message may be only 140 characters, but we all know a picture is worth many, many words... Many of us cannot help looking because of what Susan Sontag has called “the perennial seductiveness of war.” It is a kind of rubbernecking, staring at the bloody aftermath of something that is not an act of God but of man.

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2014-05-18

SPD-Stratege Matthias Machnig: Der Spindoktor als mediale Erfindung

--- Matthias Machnig ist einer der bekanntesten Spindoktoren der SPD, der gerade wieder kräftig im Europawahlkampf der Sozialdemokraten mitmischt. Selbst hält der Ex-Wirtschaftsminister Thüringens aber nicht von dem Begriff, den er in einem Interview mit dem Fachmagazin Poltik & Magazin (April/Mai 2014) derart abtut:
Das ist eine medial Erfindung, Wahlkämpfe werden gewonnen durch einen glaubwürdigen Spitzenkandidaten, ein gutes Programm und eine engagierte Partei. Alles andere sind mediale Übertreibungen.
Eine klare Ansage des Medien- und Politprofis, schöne Volte!

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2013-06-12

Der US-Geheimdienstkoordinator & seine "am wenigsten unaufrichtige" Aussage zur NSA-Überwachung

--- Die neue Affäre um das Überwachungsprogramm der US-Regierung, das hauptsächlich vom technischen US-Geheimdienst NSA (National Security Agency) ausgeführt wird und seine Wurzeln in Echelon & der Abhörinitiative rund um den 11. September 2001 hat, ist natürlich auch eine Hochzeit für Spindoktoren und weit gesponnene Erklärungen. Schließlich gilt es für die Demokraten und die Obama-Regierung, nicht nur die umfassende Bespitzelung der ganzen Welt, sondern auch die der eigenen US-Bevölkerung irgendwie zu erklären. Den Vogel abgeschossen hat hier jetzt der US-Geheimdienstkoordinator alias Director of National Intelligence James R. Clapper Jr. mit einer Aussage, die schon Qualitäten des "Ehrenworts" Barschels hat. Der den Demokraten angehörende Senator Ron Wyden hatte den Geheimdienstler im März bei einer Anhörung gefragt, ob die NSA "irgendeine Art von Daten über Millionen oder Hunderte Millionen Amerikaner" sammle. Clappers knappe Antwort lautete damals: "No, Sir ... nicht wissentlich."

Schon mit den ersten Leaks in der Serie aktueller Enthüllungen kam aber heraus, dass die NSA zumindest vom US-Telekommunikationskonzern Verizon alle von diesem erhobene Verbindungs- und Standortdaten über sämtliche Kunden einschließlich der von US-Bürgern verlangte.

Interessant jetzt die Verbiegeübungen des obersten Aufklärungsexperten der USA, den die Bürgerrechtsorganisation ACLU mittlerweile zusammen mit anderen Regierungsmitgliedern verklagt hat. Als Clapper am Sonntag von der Presse wegen seiner damaligen Aussage ins Kreuzverhör genommen wurde, erklärte er nun, dass Nein wäre die "am wenigsten unaufrichtige" Antwort ("least untruthful") gewesen. Eine im öffentlichen Verständnis als Lüge aufzufassende Darstellung derart hinzubiegen, ist schon eine Leistung. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat die Hirngespinste Clappers genauer auseinandergenommen, in denen es etwa auch um semantische Feinheiten und Bedeutungen des Worts "sammeln" geht. Eine weitere Analyse dazu hat mittlerweile auch die Washington Post. Das wundervolle Statement im Original:
And this has to do with of course somewhat of a semantic, perhaps some would say too-- too cute by half. But it is-- there are honest differences on the semantics of what-- when someone says "collection" to me, that has a specific meaning, which may have a different meaning to him.

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2013-02-24

Medien & Politik in einem Bett

--- Uwe Krüger vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig hat eine interessante Untersuchung zur Verstrickung von Journalisten, Politikern und Wirtschaftsführern durchgeführt und beobachtet, wo sich Machtstrukturen kreuzen. Aus einem Interview mit Telepolis:
Ich habe eine Art Landkarte von Organisationen und Veranstaltungen erstellt, in denen sowohl Eliten aus Politik und Wirtschaft als auch führende deutsche Journalisten involviert sind: darunter etwa das Weltwirtschaftsforum in Davos, die Münchner Sicherheitskonferenz, die Trilaterale Kommission und die Bilderberg-Meetings, aber auch die sogenannten Hintergrundkreise in Berlin, Kulturstiftungen oder Akademien. Insgesamt habe ich 82 solche Eliten-haltigen Organisationen erfasst, und es waren 64 Journalisten dort unterwegs - außerhalb ihrer direkten beruflichen Pflichten wie Recherchen oder Interviews. Am auffälligsten war der Befund, dass vier leitende Journalisten der "Süddeutschen Zeitung", der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der "Welt" und der "Zeit" stark in US- und Nato-affinen Strukturen eingebunden waren.

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2012-02-25

Kriegstrommeln in Richtung Iran werden lauter

--- Daily Kos sieht angesichts der lauter werdenden Kriegstrommeln rund um den Iran nur allzu bekannte Parallelen zu den propagandistischen Vorbereitungen für den jüngsten Irak-Krieg:
The drumbeat of war with Iran grows steadily more intense. Each day brings more defiant rhetoric from Tehran, another failed UN nuclear inspection, reports of western military preparations, an assassination, a missile test, or a dire warning that, once again, the world is sliding towards catastrophe. If this all feels familiar, that's because it is. For Iran, read Iraq in the countdown to the 2003 invasion. ... A decisive moment may arrive when Barack Obama meets Israel's prime minister, Binyamin Netanyahu, in Washington on 5 March. "The meeting … will be definitive," said Ari Shavit in Haaretz. "If the US president wants to prevent a disaster, he must give Netanyahu iron-clad guarantees the US will stop Iran in any way necessary and at any price after the 2012 [US] elections. If Obama doesn't do this, he will obligate Netanyahu to act before the 2012 elections."
Zumindest die New York Times will derzeit aber offenbar noch nicht wirklich einstimmen in die Kriegsgesänge, stützt sich dabei aber erneut auf ihre immer wieder gern herangezogenen Geheimdienstquellen: U.S. Agencies See No Move by Iran to Build a Bomb.

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2012-01-12

Medien und Politik im Fall Wulff

--- Jakob Augstein kommentiert in einem Beitrag für Spiegel Online die Verstrickungen zwischen Politik und Medien im Fall des Bundespräsidenten Christian Wulff und greift dabei auf vielsagende "Leserkommentare" zurück:
Aus der Affäre Wulff ist unversehens eine Affäre der Medien geworden. Immer mehr Leser glauben den Journalisten ebenso wenig wie der Politik. ... Es sollte uns Journalisten nicht gleichgültig sein, wenn in den Foren des Internets und in den Anrufen bei den Radiosendern die "Jagd auf Wulff" als Kampagne der Medien gegeißelt wird: "Pressefreiheit verkommt zum Spektakel", sagen die Leute dann. Oder: "Die Kampagne gegen Wulff ist keine Kampagne von unten. Es handelt sich um eine Kampagne von oben, um einen Hickhack zwischen "denen da oben". ... Einem solchen Leser dämmert das Gefühl, dass Medien und Politik in Wahrheit eine Einheit bilden, dass Journalisten alles andere als "Fremde" sind, wie der amerikanische Reporter Gay Talese sein Ideal beschrieben hat. Mit ihrer Glaubwürdigkeit verlieren die Medien aber die Möglichkeit, ihre Funktion als Kontrolleure der Macht wahrzunehmen. Der lachende Dritte ist dann einer wie Christian Wulff. Der bleibt einfach im Amt.
Eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem komplexen Verhältnis zwischen den beiden Blöcken findet sich im "Phänomen Berlusconi" (PDF-Datei): "Zwischen den Massenmedien und der Politik herrscht ein komplexes Verhältnis der Systemverschränkung bzw. der gegenseitigen Beeinflussung. Es geht dabei um die Darstellung von Wirklichkeit, um die Macht zweier Systeme, die sich mal verbünden, mal bekämpfen. Wer dabei wen im Sinne der demokratischen Gewaltenteilung kontrolliert, ist oft nicht zweifelsfrei auszumachen, so dicht ist das Netz der Beziehungen zwischen den beiden großen Machtzentren der Informationsgesellschaft: Politiker vertreten die Interessen eines Teiles der Medienkonzerne, um sich selbst bessere Darstellungsmöglichkeiten zu sichern und sprechen sich gleichzeitig gegen andere Mediengesellschaften aus, die ihnen weniger wohlgesonnen sind. Dahinter stehen die Interessen der großen Medienkonzerne, die dann allerdings wieder von anderen, ihnen feindlich gegenüberstehenden Politikern angegriffen werden, die gleichzeitig einen totalen Zugriff der anderen Politiker auf die Medienimperien verhindern wollen ... Ein Kreislauf, der kaum zu durchblicken ist."

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2011-12-15

Bericht über iranischen Hack der Überwachungsdrohne

--- Der Christian Science Monitor will einen iranischen Ingenieur befragt haben, der eine Erklärung parat hat, wie die den USA abhanden gekommene RQ-170 Sentinel ohne Schaden dem Iran durch GPS-Spoofing in die Hände gefallen sein soll:
"The GPS navigation is the weakest point," the Iranian engineer told the Monitor, giving the most detailed description yet published of Iran's "electronic ambush" of the highly classified US drone. "By putting noise [jamming] on the communications, you force the bird into autopilot. This is where the bird loses its brain." The “spoofing” technique that the Iranians used – which took into account precise landing altitudes, as well as latitudinal and longitudinal data – made the drone “land on its own where we wanted it to, without having to crack the remote-control signals and communications”.
Das Regime in dem Staat im Mittleren Osten hatte zuvor mehrfach erklärt, Formen der elektronischen Kriegsführung für die Entführung der unbemannten Überwachungstechnik eingesetzt zu haben.

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2011-09-20

Nato und Taliban im "Twitter-Krieg"

--- Ohne Twitter geht es im Propagandakrieg in Afghanistan natürlich auch längst nicht mehr:
As the 20-hour assault by Taliban insurgents on Kabul's diplomatic and military enclave drew to a close on Wednesday, insurgents and coalition forces decided to prolong the battle the modern way: on Twitter. If the continued insurgency in Afghanistan represents a failure of dialogue, the spat between the Taliban and the press office of the international security assistance force (Isaf) on Wednesday proved that they are ready to exchange words directly, even if their comments offered little hope of peace being forged anytime soon. The argument began when @ISAFmedia, which generally provides dry updates in military speak of the security situation in Afghanistan, took exception to comments from a Taliban spokesman, tweeting: "Re: Taliban spox on #Kabul attack: the outcome is inevitable. Question is how much longer will terrorist put innocent Afghans in harm's way?" The Taliban – who, when in power, eschewed most modern technology, including television and music players – decided to point the finger of blame back at the international forces for endangering Afghan civilians. Showing an affinity with textspeak, Taliban tweeter Abdulqahar Balk (@ABalkhi) wrote: "@ISAFmedia i dnt knw.u hve bn pttng thm n 'harm's way' fr da pst 10 yrs.Razd whole vllgs n mrkts.n stil hv da nrve to tlk bout 'harm's way'"

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Vollautomatisierte Killer-Drohnen im Anflug

--- Die Rolle von Drohnen im militärischen Einsatz hat sich mit dem Afghanistan-Krieg bereits deutlich ausgeweitet. Bislang werden die unbemannten Flugobjekte aber noch per Hand aus Kontrollzentren in den USA gesteuert. Dies soll mit einer neuen Generation an Flugrobotern anders werden, schreibt die Washington Post:
This successful exercise in autonomous robotics could presage the future of the American way of war: a day when drones hunt, identify and kill the enemy based on calculations made by software, not decisions made by humans. Imagine aerial “Terminators,” minus beefcake and time travel. The Fort Benning tarp “is a rather simple target, but think of it as a surrogate,” said Charles E. Pippin, a scientist at the Georgia Tech Research Institute, which developed the software to run the demonstration. “You can imagine real-time scenarios where you have 10 of these things up in the air and something is happening on the ground and you don’t have time for a human to say, ‘I need you to do these tasks.’ It needs to happen faster than that.” The demonstration laid the groundwork for scientific advances that would allow drones to search for a human target and then make an identification based on facial-recognition or other software. Once a match was made, a drone could launch a missile to kill the target.

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2011-07-28

Wenn Politiker nicht schweigen können

--- Spargelfahrt des Seeheimer Kreises 2010
Wie zwinge ich einem Politiker eine Debatte auf, die er gar nicht führen will? Die Bild-Zeitung exerziert dies heute auf ihre eigene Art. Auf Seite 2 fragt sie in der Überschrift: "Was hat Sarrazin mit der Killer-Bestie von Oslo zu tun, Herr Gabriel?" Die Redakteure hatten ein Interview des Parteivorsitzenden der SPD mit der Nachrichtenagentur DPA gelesen. Darin hatte Gabriel gesagt:

„In einer Gesellschaft, in der der Anti-Islamismus und die Abgrenzung von anderen wieder hoffähig wird, in der das Bürgertum Herrn Sarrazin applaudiert, da gibt es natürlich auch an den Rändern der Gesellschaft Verrückte, die sich letztlich legitimiert fühlen, härtere Maßnahmen anzuwenden.“

Die Bild folgerte daraus, Gabriel mache Sarrazin mit dessen Thesen ("Deutschland schafft sich ab") für den Massenmord in Norwegen verantwortlich. Auf Nachfrage hatte Gabriel am Mittwoch der Bild keine Auskunft gegeben, da er sich im Ausland aufgehalten hatte. Stattdessen ließ Bild Sarrazin zu Wort kommen. Den hatte Gabriel vergeblich versucht, aus der Partei auszuschließen. O-Ton Sarrazin in Bild: „Sigmar Gabriel kann seine peinliche Niederlage vor dem Parteigericht offenbar nicht verwinden."

Heute dann reagierte Gabriel, wie DPA gerade verbreitet: "Diesen Zusammenhang gebe es „natürlich nicht“, sagte Gabriel der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. „Keine der zuletzt bei uns oder anderswo geführten Debatten kann ein Vorwand sein für Gewalttaten, wie wir sie in Norwegen erleben mussten.“ Allerdings seien Politiker auch für das politische Klima in ihrem Land verantwortlich."

Wir sind gespannt, was Bild morgen berichten wird.

2011-07-20

Verschwörung: Rupert Murdoch & die 4. Macht im Staat

--- Über das teils antagonistische, teils symbiotische Verhältnis zwischen Medien und Politik bzw. Staatsmacht ist schon viel geschrieben worden. Rupert Murdoch musste dafür schon häufiger als Paradebeispiel herhalten. Mit dem aufgedeckten Abhörskandal bei "News of the World" werden neue Facetten des Zusammenspiels der beiden "Gewalten" in Großbritannien deutlich, die ein Kommentar der Süddeutschen Zeitung überspitzt beleuchtet:
Zum allgemeinen Erschrecken wird jetzt deutlich, dass sich über den drei Staatsgewalten der britischen Demokratie eine vierte Macht etabliert hat, die offensichtlich unangreifbar war und das klassische System von checks and balances, von wechselseitiger Kontrolle und Ausgleich, außer Kraft gesetzt hat. Unter dem Schirm von Murdochs Blättern und Fernsehsendern verschmolz die britische politische Elite zu einer Ansammlung willfähriger Höflinge, die um die Gunst des Medienfürsten buhlte; das Establishment war vereint in dem Ziel, das Spiel um die Macht mit Hilfe des Medienhauses zu gewinnen. Natürlich sind die Sun oder die News of the World nicht allein ausschlaggebend für die politische Willensbildung der Briten. Aber Murdoch entwickelte seine Medien zu politischen Kampfinstrumenten und maßte sich damit eine Rolle an, die einem Verleger, aber auch einem Journalisten nicht zusteht. Mit seinem Einfluss machte er die politische Klasse abhängig vom eigenen Konzern - und erwarb damit auch eine Art Versicherungspolice etwa für den Fall, dass die korrupten Beziehungen zur Polizei auffliegen sollten. Ein in sich geschlossenes System in einem Staat aber, das die Macht an sich zu reißen sucht, nennt man Verschwörung. Die Briten sind gerade erst dabei, das Ausmaß des Verrats an ihrem Staat zu erfassen.

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2011-07-18

Fortbildung sponsored by Bundeswehr

--- Info Operations der Bundeswehr auf der Spur: Die Berliner Zeitung wirft einen kritischen Blick auf Weiterbildungsseminare, die das Bundesverteidigungsministerium finanzieren soll :
Laura Witzenhausen ist begeistert. Drei Tage lang hat die 17-jährige Schülerzeitungsredakteurin im Herbst in Berlin ein Seminar für Jugendliche besucht, die an den Themen „Wirtschaft, Ethik und Medien“ interessiert sind. ... Ein Sprecher der Bundeswehr aus Mecklenburg-Vorpommern stand als Gesprächspartner zur Verfügung. ... Den Abschluss des Seminars bildete am letzten Tag ein Vortrag über die „Relativität von Wahrheit“. Wie relativ die Wahrheit sein kann, erfuhr Laura Witzenhausen nicht: Ihr Seminar ist zwar von der Organisation „Young Leaders“ veranstaltet worden, die „Meinungsmachern von morgen“ ein Forum bieten möchte. Geldgeber für dieses und elf weitere Wochenendseminare sowie für vier große Jugendpressekongresse pro Jahr ist aber ein ganz anderer: die Bundeswehr. Oder genauer, der Presse- und Informationsstab von Verteidigungsminister Thomas de Maizière. ... Die Grünen sprechen von „schmutziger PR“, mit der junge Leute bewusst getäuscht werden sollen.

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2011-06-22

Steuern runter, oder was?

--- Was will nun die Regierung? Steuern senken, oder lieber den Haushalt sanieren, zumal weitere Milliardenlasten mit der Energiewende und dem zweiten Rettungspaket für Griechenland bevorstehen? Seit Pfingsten geht es munter hin und her in den Medien. Heute ward Unionsfraktionschef Volker Kauder im Frühstücksfernsehen von ARD und ZDF so vernommen, als sei das Steuerpaket bereits beschlossene Sache. Dann aber rebellierten die Ministerpräsidenten der Union und gaben zu Protokoll, dass daraus wohl nichts werde, wegen der Haushaltslage.
Wo aber entstand nun die Nachrichtenlage? Offenkundig haben interessierte Kreise in der FDP kolportiert, ihr neuer Parteichef Philipp Rössler und Kanzlerin Angela Merkel hätten sich im Vier-Augen-Gespräch darauf verständigt. Wir kann das schon überprüfen? Zumal noch vor der parlamentarischen Sommerpause ein Zwölf-Augen-Gespräch zwischen Merkel, Rössler, CSU-Chef Horst Seehofer und den Fraktionschefs stattfinden soll. Dabei wollen sie den Arbeitsplan für das zweite Halbjahr festlegen. Was lässt sich da nicht alles hinein orakeln.
Wie auch immer: Heute bemühten sich die Regierungssprecher die Steuerdebatte wieder einzufangen und klarzustellen, dass die Steuern nur gesenkt werden, wenn denn auch Geld da ist. Wir freuen uns schon auf das Sommerloch und die dann tobenden Debatten.

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2011-05-23

Ole Schröder & TFTP: Data Mining gegen den Terror oder Filesharing?

--- Wenn es um Fachthematiken geht, ist die Ahnungslosigkeit bei manchen Volksvertretern und Regierungsangehörigen ja oft recht groß ("Was sind jetzt noch mal Browser?"). Abkürzungen machen Politikern das Leben aber auch nicht leichter. So gab Ole Schröder (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, in einer Antwort auf Anfragen von Politikern der Linken und der Grünen kürzlich dem TFTP einen besonderen Spin. Die beiden Abgeordneten wollten Einzelzeiten zum Transfer von Bankdaten des Finanznetzwerks SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) wissen und erwähnten in diesem Zusammenhang auch das US-Unterfangen "Terrorist Finance Tracking Program" zur Auswertung der Überweisungsinformationen mit der dafür gängigen Abkürzung TFTP. Schröder antwortete darauf schriftlich laut Bundestagsprotokoll vom 6. April 2011:
Die Bundesregierung unterstützt die von der Europäischen Kommission in ihrem am 17. März 2011 veröffentlichten Evaluierungsbericht über die Umsetzung des Trivial File Transfer Protocol-Abkommens, TFTP, gemachten Verbesserungsvorschläge ...
Ups, da hat ein Praktikant offenbar voller Eifer gegoogelt und bei der Abkürzung den in den Suchergebnissen oben liegenden Wikipedia-Eintrag zu dem Dateiübertragungsprotokoll ausgemacht und dieses mit den Anti-Terror-Bemühungen der USA durcheinander gebracht. Nach Ansicht mancher Politiker sind Nutzer, die illegal Dateien tauschen, aber auch eine Form von Cyber-Terroristen, sodass sich der Kreis doch wieder schließt. Aufgefallen ist die Verwechslung dem Büro des fraktionslosen österreichischen EU-Abgeordneten Martin Ehrenhauser, der sich seit Längerem gegen den von EU-Seite aus bislang kaum kontrollierten Datenabfluss bei SWIFT einsetzt.

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2011-03-14

Clinton-Sprecher tritt wegen Kommentar zu Wikileaks-Quelle zurück

--- Einmal nicht aufgepasst und den inneren Zensor schlafen geschickt -- schon ist es aus mit dem besten Spindoktor:
Nach kritischen Bemerkungen über die Haftbedingungen des Wikileaks-Informanten Bradley Manning ist der Sprecher des US-Außenministeriums, P.J. Crowley, am Sonntag zurückgetreten. Crowley hatte Mannings Behandlung in einem Militärgefängnis als "lächerlich, kontraproduktiv und dumm" bezeichnet. ... In Crowleys Rücktrittserkärung hieß es, angesichts der "herausfordernden Zeiten und der unbarmherzigen Medienlandschaft" müsse die Ausübung von Macht "klug und im Einklang mit unseren Gesetzen und Werten" erfolgen. Zugleich erklärte er, Manning werde "am richtigen Ort" festgehalten.
Mehr bei Spiegel Online: Nach einem Bericht des US-Senders CNN hatte Crowley im Freundeskreis die Befürchtung geäußert, dass eine Misshandlung Mannings zu Problemen bei der strafrechtlichen Verfolgung des Gefreiten führen könnte. Dem 23-jährigen Soldaten wird vorgeworfen, als geheim eingestufte Daten aus Pentagon-Computern an die Internet-Enthüllungsplattform WikiLeaks von Julian Assange weitergegeben zu haben.

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2011-03-05

US-Militär mit PsyOps gegen de Maizière

--- Schon als er noch Innenminister war, hatte es das US-Militär angeblich mit gezielten psychologischen Operationen auf Thomas de Maizière abgesehen. Da kann man ja gespannt sein, was sich die Amis nun nach dem Wechsel des CDU-Mannes ins Verteidigungsressort so alles einfallen lassen:
Die Streitkräfte in Afghanistan sollen Spezialisten für psychologische Kriegführung illegal auf Bundesinnenminister Thomas de Maizière sowie Politiker aus den USA und anderen Ländern angesetzt haben. Ein US-Oberstleutnant beschuldigte seine Vorgesetzten in einem Interview mit dem Magazin "Rolling Stone", damit bewusst gegen Gesetze verstoßen zu haben. Das Pentagon kündigte am Donnerstag eine Untersuchung an.
Wie US-Oberstleutnant Michael Holmes dem Magazin sagte, seien die Anweisungen von General William Caldwell gekommen. Er ist für die Ausbildung afghanischer Streitkräfte zuständig. Mit Methoden der psychologischen Evaluierung und Manipulation habe Caldwell herausfinden wollen, mit welchen Argumenten Politikern auf Afghanistan-Besuch zusätzliche Truppen- und Finanzzusagen für den Einsatz entlockt werden könnten. Methoden der psychologischen Kriegsführung sind laut Pentagon-Definition nur gegen "feindliche Ausländer" zulässig.

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2011-01-13

Sarah Palin polarisiert mit Ritualmordlegende

--- Sarah Palin ist mal wieder tief in ein Fettnäpfchen getreten. Parallel zur offiziellen, von Obama mit zelebrierten Trauerfeier für das Tucson-Massaker, bei dem Gabrielle Giffords, einer neuen US-Abgeordneten der Demokraten, der Kopf durchschossen und mehrere ihrer Begleiter getötet wurden, veröffentlichte die Republikanerin eine Video-Botschaft, in dem sie nach ihren Sympathiebezeugungen für die Hinterbliebenen auch scharf gegen ihre Kritiker etwa in der Presse und in der Bloggerlandschaft zu Felde zog und diese einer "Ritualmordlegende" ("blood libel") im Sinne der mittelalterlichen Blutlüge gegen Juden bezichtigte:
"Journalists and pundits should not manufacture a blood libel that serves only to incite the very hatred and violence they purport to condemn. That is reprehensible."
Die Anti-Defamation League hat rasch reagiert und die Wortwahl Palins bemängelt: It is unfortunate that the tragedy in Tucson continues to stimulate a political blame game. Rather than step back and reflect on the lessons to be learned from this tragedy, both parties have reverted to political partisanship and finger-pointing at a time when the American people are looking for leadership, not more vitriol. ... It was inappropriate at the outset to blame Sarah Palin and others for causing this tragedy or for being an accessory to murder. ... Still, we wish that Palin had not invoked the phrase ... While the term "blood-libel" has become part of the English parlance to refer to someone being falsely accused, we wish that Palin had used another phrase, instead of one so fraught with pain in Jewish history. Mehr dazu u.a. in der NZZ und der Washington Post.

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