2004-01-20

Traum von der Weltregierung

--- Der amerikanische Politikwissenschaftler Benjamin Barber packt -- leicht verklausuliert -- alte Träume von der Weltregierung im globalen Zeitalter wieder aus. Die Süddeutsche Zeitung schreibt in einer Rezension zu dem Band Imperium der Angst. Die USA und die Neuordnung der Welt.: Gegen die angsterfüllte Welt stellt Barber „präventive Demokratie“. Durch zivile Kooperation und geduldige Hilfe, durch internationale Bürgerinitiativen und Kontakte über die Grenzen hinweg sollen „globale Formen demokratischen Regierens“ entwickelt werden. Grundsätzlich geht es hier darum, den Gesellschaftsvertrag auf die globale Ebene zu hieven. Barber denkt dabei nicht gleich an eine „Weltregierung“. Es gehe zunächst darum, die Grundlagen für eine „systematische, weltweite, bürgerliche Zusammenarbeit“ zu legen. Ein Beispiel dieser Entwicklung sei die Herausbildung einer öffentlichen Weltmeinung, die sich beispielsweise bei der Verhaftung und dem zeitweiligen Arrest von Chiles Ex-Diktator Augusto Pinochet in London bemerkbar gemacht habe.

barber.html

1 Comments:

At 10:01 nachm., Anonymous Richard Maxheim said...

Weltparlament und globale Demokratie


Ein Weltparlament ist schon von Alters her eine Zielvorstellung humanistisch geprägter und von den Werten der Demokratie überzeugter Menschen. Wer mehr über die Geschichte des Kosmopolitismus lesen möchte, dem empfehle ich das Buch „Weltbürger“ von Peter Coulmas (siehe im Menü unter „Welt-Literatur“).
Weitsichtige Parlamentarier aus der ganzen Welt griffen bereits Ende des 19. Jahrhunderts – gestützt auf große Philosophen wie Immanuel Kant – die Vision einer globalen Demokratie auf und schlossen sich in der „Interparlamentarischen Union“ zusammen. Siehe dazu den Artikel von Laura Appelthauser:
http://www.gruene-jugend.de/aktuelles/show/388703.html

Mitte des 20. Jahrhunderts, nach zwei verheerenden Weltkriegen, erhielt die Idee eines demokratischen Weltstaates, in dem solche Kriege in Zukunft unmöglich werden sollten, erneuten Auftrieb. Die Initiativen und Aktionen der engagierten Weltbürger waren damals beachtlich. Aber zu mehr als zu den „Vereinten Nationen“ kam es dann doch nicht.
Fortan verlief die Weltbürger-Bewegung zweigleisig. Auf der einen Seite versuchten Enthusiasten neben der UNO ein demokratisches Weltsystem mit einer Weltverfassung und einem provisorischen Weltparlament aufzubauen. Auf der anderen Seite bemühten sich Pragmatiker aus dem System der Vereinten Nationen das Beste zu machen.

Im Lager der Enthusiasten, die auch Maximalisten genannten wurden, kam es zu Gründungen vielfältiger Organisationen, vorwiegend im angelsächsischen Sprachraum, die sich untereinander in vielen Fragen nicht einig waren. Die größten Erfolge konnte die „World Parliament and Constitution Association“ (WCPA)
http://www.wcpagren.com/
verzeichnen. In jahrzehntelangen Beratungsprozessen und unzähligen Zusammenkünften wurde unter ihrer Federführung eine ausgeklügelte Weltverfassung erarbeitet und eine provisorisches Weltparlament gewählt, das bis in unsere Zeit regelmäßig zu Sitzungen zusammen kommt. Allerdings konnten diese Bemühungen bis heute keine völkerrechtliche Verbindlichkeit erringen.

Das Lager der Pragmatiker, der Minimalisten, hatte es nicht leicht, die Zeit des Kalten Krieges zu überstehen. Auch die Dekade der historischen Wirrungen um die Jahrtausendwende war nicht gerade dazu geeignet, Aufbruchstimmung aufkommen zu lassen. Das Eis scheint aber nun gebrochen. Der Ruf nach Reform und Weiterentwicklung der Organisation der Vereinten Nationen ist – trotz aller machtpolitischen Widerstände – inzwischen Allgemeingut geworden. Alle realistisch denkenden Bürger und Politiker sehen die Zeit für eine neue, bessere Weltordnung gekommen; schon alleine wegen der immer offenkundiger werdenden globalen Probleme, die mit nationalen Alleingängen nicht mehr in den Griff zu bekommen sind.

Und so werden auch die Rufe nach einer Globalisierung der Demokratie immer lauter. Spitze dieser Entwicklung ist derzeit die
„UNPA Campaign – Kampagne für die Einrichtung eines Parlaments bei den Vereinten Nationen“. Hier kann man alles darüber lesen, in Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Russisch:

http://www.unpacampaign.org/

Der Auftritt der Initiatoren und Organisatoren der Kampagne ist sehr professionell und erfolgsorientiert. Ihr Aufruf wird inzwischen von vielen prominenten Persönlichkeiten, Politikern – quer durch alle demokratischen Parteien – sowie einflussreichen Nichtregierungsorganisationen unterstützt und mitgetragen. Ich halte die Unterzeichnung des Aufrufs für eine „Erste Weltbürgerpflicht“.


Richard Maxheim
http://kosmopolis2100.npage.de

 

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