2004-03-24

Israel als Laboratorium für den Krieg gegen den Terror II?

--- Israel und der nahe Osten waren schon immer ganz vorne dran, wenn es um Terror und dessen Abwehr ging. Nun sieht der israelische Premierminister Ariel Scharon anscheinend als Laboratorium für die nächste Stufe im Spannungsfeld zwischen Innerer Sicherheit und terroristischen Angriffen: Bewusst hat er zum einen erneut Terror mit Gegenterror beantwortet, hofft aber anscheinend gleichzeitig darauf, Israel zur absoluten Festung ausgebaut zu haben. Denn die angedrohte Antwort der Hamas scheint ihn nicht wirklich zu schrecken. Permanente Überwachung und ein Polizei- und Militärstaat sind seine Gegenmittel. In letzter Zeit scheint er damit sogar halbwegs erfolgreich zu fahren, so die Berliner Morgenpost/Welt: Allein in den letzten drei Monaten vereitelten Israels Sicherheitskräfte neun Selbstmordanschläge in letzter Sekunde. Die Polizei hat gro?e Erfolge beim Abfangen von Selbstmordattentätern. Doch gibt es keinen vollst?ndigen Schutz. Und gerade der Erfolg in Israel lässt neue Drohungen aufkommen. Die Hamas-Bewegung könnte beim Scheitern in Israel ihre Anschläge gegen ausl?ndische Ziele richten. Bislang war es Scheich Jassin, der Angriffe auf ausländische Ziele abgelehnt hatte. Wie aufgeladen die Atmosphäre ist, zeigten erste spontane Reaktionen noch am Montag. In Ramat Gan stürmte ein Palästinenser mit einer Axt auf Passanten. Er verletzte drei Menschen. Sein erstes Opfer war eine junge Frau, die mit schweren Verletzungen im Krankenhaus liegt. Bei dem Täter handelt es sich offensichtlich um einen Tagelöhner, der illegal in Israel arbeitete und zum Terroristen wurde, als er von der Liquidierung Jassins hörte. Bleibt Scharon mit seiner Strategie erfolgreich, werden sich die nach wie vor noch viel mehr weiche Ziele bietenden USA und Europa bald genauso wie Israel zur Festung verwandeln? Mehr zum Thema Vergeltung, Rache und der Extremismus-Spirale bei Telepolis.

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