2004-03-11

Spanien: Krieg gegen die Demokratie?

--- Über 170 Tote durch Bomben im öffentlichen Nahverkehr in Madrid -- kein Wunder, dass "Europa" geschockt reagiert. Der Präsident des Europaparlaments, Pat Cox, sprach gar von einer "Kriegserklärung gegen die Demokratie": Nach einer Schweigeminute im Europäischen Parlament sagte Cox, es handle sich um den bislang "schlimmsten Akt des Terrors in einem Mitgliedstaat der EU". Es sei in keiner Weise zu rechtfertigen, "dass das spanische Volk und die Demokratie angegriffen" würden. ... Er hoffe, dass die spanische Bevölkerung auf diesen Angriff bei der Parlamentswahl am Sonntag die richtige Antwort geben werde. Der bisherige konservative Regierungschef José María Aznar ist allerdings nicht gerade durch eine Politik der Balance und des Interessenausgleichs bekannt geworden. Seine harsche Linie hat das Land und zum Teil auch Europa eher gespalten, was nun deutlich zutage tritt. Bekennerschreiben liegen übrigens noch nicht vor, aber natürlich wurde zunächst die ETA hinter den blutigen Anschlägen vermutet. Wer sonst könnte kurz vor den Wahlen so zuschlagen? Interessanterweise verweisen Stimmen aus dem Umkreis der ETA aber auf islamistische Terroristen. Und ein deutscher El-Pais-Korrespondent sieht in der wahllosen Ermordung von Bürgern nicht die Handschrift der ETA. Fast schon lustig: Ein anderer Pais-Korrespondent behauptet genau das Gegenteil. Der britische Innenminister Jack Straw tippt derweil auf al Qaida. Verschwörungstheorien ist hier also Tür und Tor geöffnet, die Desinformation ist bislang groß. Mehr über zerfetzte Leichen und den Gestank nach verbranntem Fleisch unter anderem bei Spiegel Online.

eta.html