2004-08-07

Allawi macht al-Dschasira in Bagdad erst mal dicht

--- Der Premier der irakischen Übergangsregierung, Ijad Allawi, übt sich in drastischer Medienzensur: Er ordnete an, dass das Bagdad-Büro des nicht ganz unumstrittenen Senders al-Dschasira erst mal 30 Tage dicht bleibt. Er begründete die Maßnahme damit, dass Al Dschasira immer wieder "Kriminelle" in seinen Sendungen zu Wort kommen lasse. Das irakische Volk müsse davor geschützt werden. Innenminister Falah al Nakib teilte mit, ein unabhängiger Ausschuss habe den Sender in den vergangenen vier Wochen beobachtet, um zu prüfen, "welche Form der Gewalt sie befürworten, indem sie zum Hass und zu Problemen und Rassenunruhen anstacheln". Er hatte arabischen Satelliten-Sendern bereits in der vergangenen Woche vorgeworfen, sie ermutigten Kidnapper, indem sie Bilder verängstigter und von Hinrichtung bedrohter Geiseln ausstrahlten. Die Entwicklung kündigte sich bereits Ende Juli an, als die Financial Times vermeldete, dass das gute alte "Informationsministerium" Bagdads wiederbelebt und in eine Art Zensurbehörde verwandelt werden sollte. Vermutlich wird Allawi auf diese Weise die Morddrohungen gegen ihn aber nicht los, die sich gerade mal wieder in einem multimedialen Propaganda-Erguss der Gotteskrieger finden: Die Extremistengruppe um den Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi hat in einer CD-ROM alle Muslime zum Kampf gegen die westlichen "Kreuzritter" im Irak aufgerufen. In dem umfassenden Text- und Bildmaterial wird außerdem mit der Ermordung des irakischen Übergangsministerpräsidenten Ijad Allawi gedroht. Die Authentizität der CD-ROM, von der die Nachrichtenagentur AP in Kuwait am Freitag eine Kopie erhielt, konnte zunächst nicht bestätigt werden. Auf der CD-ROM sind offenbar Kämpfer von Sarkawis Gruppe "Tawhid und Dschihad" zu sehen, die in diversen Waffengattungen ausgebildet werden, außerdem Bombardierungen von US-Einrichtungen und anderen Zielen im Irak. Zugleich bekennt sich die Gruppe zu einer Reihe von Anschlägen der jüngsten Zeit. Die Verbreitung der CD-ROM mit dem Titel "Die Stürme des Sieges" war in den vergangenen Tagen auf islamischen Web-Sites mit viel Aufwand angekündigt worden.