2004-08-28

Hartz IV, Eierwürfe und die Schuld der Medien

--- Kanzler Schröder hat sich gestern wieder todesmutig trotz andauernder Hartz-IV-Proteste in die Menge gestürzt, dieses Mal in Finsterwalde in Brandenburg. Und just flog erneut laut dpa und anderen Agenturen ein Ei durch die Gegend: Mehrere Polizisten und ein fast zwei Meter hoher Gitterzaun schützen die Bühne, auf der Schröder ein Bierfass anstach. Zwar waren die Besucher des Sängerfestes auf Wurfgeschosse abgetastet worden - doch mindestens ein Ei war offensichtlich übersehen worden. Wie schon zu Wochenbeginn in Wittenberge verfehlte es auch in Finsterwalde am Abend den Kanzler - traf stattdessen andere Besucher des Festes. Die Polizei nahm einen 17-Jährigen fest. Eine Polizeisprecherin sagte, der Jugendliche werde nach Feststellung der Personalien seinen Eltern übergeben. Schließlich gelang es Schröder doch noch, die durch die Hartz-Reformen aufgebrachten Menschen für sich einzunehmen: Nach erfolgreichem Fassanstich trank der Bundeskanzler sein Glas in einem Zug aus und stimmte mit in die Hymne der Stadt ein: "Wir sind die Sänger von Finsterwalde, wir leben und sterben für den Gesang!" Auf dem Platz sangen junge und alte Menschen laut mit. Wie gereizt die Stimmung inzwischen im Bundespresseamt ist, zeigt dieser Schnellschuss von gestern abend: Der Sprecher der Bundesregierung, Béla Anda, teilt mit: Die Meldung der dpa Nr. 4702 vom 27.08.2004, "Wieder Eiwurf gegen Kanzler - Besuch in Finsterwalde abgebrochen", ist falsch und entbehrt jeder Grundlage. ... Es ist bedauerlich, wenn aufgrund einer reißerischen Berichterstattung selbst ansonsten seriös arbeitende Nachrichtenagenturen die Stimmung angeheizt statt versachlicht wird. Generell gibt auch Schröder inzwischen den Medien eine Mitschuld am Hartz-IV-PR-Debakel, da sie die Reformen immer noch nicht richtig erklären würden. Ein Glück, dass Joschka da endlich aus dem verdienten Sommerurlaub zurück ist und im Spiegel-Interview die weise Parole ausgibt: "Da müssen wir durch".

Update: Schröder hat inzwischen selbst doch auch mal Fehler in der Informationspolitik eingeräumt.