2004-08-30

Republikaner-Parteitag: Action in the Streets und im Web

--- Die Republikaner besetzen mit ihrem Parteitag zur Bush-Beweihräucherung symbolisch die Demokraten-Hochburg New York City -- ein Affront nicht nur für die meisten Stadtbewohner, sondern auch für viele Hinterbliebene der Opfer des 11. Septembers. Gestern demonstrierten daher schon einmal rund 200.000 Bush-Gegner in der Ostküsten-Metropole: Die vermutlich größte Anti-Kriegs-Demonstration in der Stadt seit Jahrzehnten führte am Madison Square Garden vorbei, in dem die Republikaner Bush am Donnerstag offiziell als Präsidentschaftskandidat nominieren wollen. Der Protestzug durch die Straßen von Manhattan war der Höhepunkt der mehrtägigen Proteste, die sich vor allem gegen die Irak-Politik der US-Regierung richteten. Sprecher des Bush-Wahlkampfteams kritisierten die Demonstrationen als reine parteipolitische Manöver der Demokraten, denen es an Respekt vor dem Präsidenten mangele. Beobachter bezeichneten die Proteste als ein Zeichen für die Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft durch die gegenwärtige Regierung. ... Bush will auf dem Parteitag die Agenda für seine zweite Amtszeit präsentieren und die letzten beiden Monate des Wahlkampfes einläuten. Trotz der Proteste befindet er sich im Aufwind: Umfragen zufolge konnte Bush den Vorsprung seines Herausforderers John Kerry wettmachen. Eine Gallup-Umfrage zeigt, dass Bush 50 Prozent der Wähler hinter sich hat, Kerry dagegen nur 47 Prozent. Allerdings liegt Bush in den meisten umkämpften Bundesstaaten, die wahlentscheidend sein könnten, im Hintertreffen. Natürlich werden in den kommenden Tagen auch wieder -- wie beim Parteitag der Demokraten in Boston -- die Blogger in die Keyboards greifen. Für Telepolis etwa berichten drei Journalisten in einem extra eingerichteten, aber noch etwas stark einer "Bleiwüste" gleichkommenden Blog aus der 39th Street, unweit von der Parteitagszentrale entfernt. Die New Yorker Behörden werden in den kommenden Tagen offenbar zur rabiaten "Zero Tolerance"-Politik übergehen. Wie hatte es vor Kurzem von einem Polizeisprecher geheissen - man sei auf 1000 Festnahmen täglich eingestellt, liesst man da beispielsweise.

Aber auch die US-Blogger sind natürlich gerüstet. Jeralyn Merritt, Betreiberin des linken Blogs TalkLeft, schreibt vorab in einer Zeitungskolumne: What will blogs bring you won't find elsewhere? I predict we will have a greater impact in New York than we did in Boston. You can watch the delegates and speeches on TV, but that will not be the real story this time around - at least not for those who oppose George Bush. The real story will be in the streets. Instead of limited mainstream media coverage, which will portray the street action as a sideshow with a negative perspective, bloggers will take you there with them so you can see for yourself. We will bring you the highs, the ridiculous and the extreme. We will present the point of view of the random bystanders we come across, the voice of the dissidents, photos the main media won't display and a first-person account of the massive security efforts. Bloggers are not a substitute for the 5 o'clock news. We help complete the picture. We keep the media honest. If the media won't cover the real story, bloggers will. Just remember, a blog is only as credible as its author. With 3.5 million blogs now on the Web, choose carefully. It's read at your own risk. Eine Übersicht Bush-kritischer Blogger, die von New York aus in Aktion treten, gibt es bei Cosmopolity.

Update: Auch die schon vom Demokraten-Parteitag bekannte Sammelsite Convention Bloggers von Dave Winer ist inzwischen wieder am Start.