2004-09-07

Putin lehnt Beslan-Untersuchung als "öffentliche Show" ab

--- Russlands Präsident lehnt eine öffentliche Untersuchung der Vorgänge rund um die Erstürmung der Schule mit den pro-tschetschenischen Geiselnehmern ab. Das leuchtet ein, denn die Bilanz könnte unschön ausfallen für die Sicherheitsbehörden. Seine Begründung ist aber interessant, fürchtet er doch, dass eine Sezierung der Ereignisse zu einem reinen Medien-Event verkommen könnte. So warnt er vor einer "öffentlichen Show": Der russische Präsident habe eine interne Aufarbeitung der Tragödie angekündigt, berichtete die britische Zeitung "The Guardian" nach einem Gespräch Putins mit ausländischen Korrespondenten am Montagabend bei Moskau. Wenn das russische Parlament eine eigene Untersuchung machen wolle, werde er sich nicht dagegen sträuben, sagte Putin. Er glaube nicht, dass eine Aufarbeitung der Geschehnisse in Beslan durch das Parlament "sehr produktiv sein" werde. Frankreich sieht die Sache anders: Es verlangte von Russland nähere Informationen zum Ende des Geiseldramas. "Natürlich wollen wir angesichts dieses Terroraktes gegen Russland unsere Solidarität zum Ausdruck bringen", sagte der französische Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin am Montag dem Sender RTL. "Aber wir wollen auch alle notwendigen Informationen und wir erinnern Russland bei jedem Treffen an die Notwendigkeit, die Menschenrechte zu respektieren." Derweil geht das Rätselraten um die Hintermänner weiter: Das russische Fernsehen zeigte Bilder von einem Mann, der bei der Befreiungsaktion festgenommen worden sein soll. Dieser bezeichnete den tschetschenischen Rebellenführer Schamil Bassajew und den früheren Präsidenten Aslan Maschadow als Drahtzieher. Ziel sei es gewesen, einen "Krieg im gesamten Kaukasus anzustiften". Maschadow hatte am Donnerstag jegliche Beteiligung an der Geiselnahme zurückgewiesen. Auf der Internetseite www.kavkazcenter.com bekräftigte er, dass seine Anhänger nichts mit der Geiselnahme zu tun hätten. Zivilisten anzugreifen "behindert eine internationale Anerkennung eines unabhängigen tschetschenischen Staates", hieß es.

Update: Ein Ex-KGB-Offizier und Doppelspion vergleicht Putin im britischen Telegraph offen in Punkto Brutalität mit den Attentätern. Zwischen der Geiselnahme und al-Qaida sieht er keinen Bezug. Den Ungereimtheiten und Aufmerksamkeitsspiralen des Terrors widmet sich auch Florian Rötzer in Telepolis.

1 Comments:

At 8:54 nachm., Blogger fartmeal said...

Wow - was für eine Quelle! Ich spreche vom russischen KGB-Offizier und Doppelspion, dessen Bericht ja einen Blick sehr weit hinter die Kulissen zuläßt. Was die Glaubwürdigkeit der Quelle betrifft, so sehe ich nicht, welche persönlichen oder indirekten Interessen der Autor damit verbinden könnte... im Gegenteil: Er gefährdet sich selbst ja enorm durch diese Angaben.

 

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