2004-10-20

Die Geburt des internationalen Terrors aus der Politik der Angst

--- Am heutigen Mittwoch startet die BBC im TV eine Dokumentarfilmserie, die schon im Vorfeld für viel Aufsehen sorgt, etwa in der Netzeitung: Nach eingehenden Recherchen sind Reporter des Senders zu dem Schluss gekommen, dass Al Qaeda ein Mythos sei, ein Schauermärchen, das aus sich selbst heraus immer wieder neu entwickelt werde. Die Bedrohung mit einer «Schmutzigen Bombe» desgleichen: Ihre Gefahren werden demnach überschätzt. Und bislang hält keine der von Sicherheitsbehörden in aller Welt behaupteten Verbindungen zwischen den Massenmördern vom 11. September 2001, den Bombern von Bali, den Sprengsatzbastlern vom 11. März in Madrid, den Aufständischen in Irak und anderen islamischen «Terrorzellen» faktenorientierten Prüfungen stand. Die Medien, stellt die BBC fest, kolportieren Nachrichten über derlei Gefahren und Vernetzungen, die zu weiteren Nachrichten über derlei Gefahren und Vernetzungen führen. Der wichtigste Realitätsbezug solcher Nachrichten sind laut BBC Informationen von Geheimdiensten, die wiederum ihre Quellen und Recherchen nicht offenlegen. Das mache den islamischen Terrorismus, so weit seine Globalisierung und einheitliche Führung behauptet wird, zu einem Mythos, von dem sowohl die Politiker profitieren, die ihn verbreiten und den Terrorismus bekämpfen, als auch die Terroristen selbst. Jeder islamistische Einzeltäter verfügt damit über die Schlagkraft einer weltweit verzweigten Organisation. Damit gewinnt auch jedes Attentat höchste Wichtigkeit für den nicht unmittelbar betroffenen Rest der Welt.

Inspirieren lassen hat sich die Netzeitung in ihrem Bericht über "The Power of Nightmares" vom Guardian. Natürlich füttert Adam Curtis, der den Dreiteiler produziert hat, damit Verschwörungstheorien und profitiert letztlich mit vom Terror. Aber zumindest macht er auf die grundlegenden Strukturen der über die Medien vergrößerten Politik der Angst aufmerksam: "Almost no one questions this myth about al-Qaida because so many people have got an interest in keeping it alive," says Curtis. He cites the suspiciously circular relationship between the security services and much of the media since September 2001: the way in which official briefings about terrorism, often unverified or unverifiable by journalists, have become dramatic press stories which - in a jittery media-driven democracy - have prompted further briefings and further stories. Few of these ominous announcements are retracted if they turn out to be baseless: "There is no fact-checking about al-Qaida." Den Terror im Irak kann der Produzent damit aber auch nicht wegzaubern.

3 Comments:

At 5:13 nachm., Anonymous Anonym said...

You can watch ”The Power of Nightmares” online if you missed it. Get it here.The link above is a bittorrent file. If you dont have bittorrent, you need to download it from here.

 
At 8:22 nachm., Anonymous Anonym said...

"Nach eingehenden Recherchen sind Reporter des Senders zu dem Schluss gekommen, dass Al Qaeda ein Mythos sei, ein Schauermärchen, das aus sich selbst heraus immer wieder neu entwickelt werde."

Ein Schauermärchen? Vielleicht hätte BBC direkt vor Ort in New York, Bali, Dscherba, Madrid, Nairobi und Dar as-Salam recherchieren sollen. Schauerlich ist es allerdings, jedoch kein Märchen.

 
At 12:52 vorm., Blogger bruder grimm said...

um was es hier geht ist nicht eine infragestellung dass diese ereignisse tatsächlich stattgefunden hätten, oder dass sie vor irgendeiner moral entschuldbar wären, sondern es geht darum dass diese ereignisse alle einer zentralen und geheimen kraft (namens Al Qaeda) zugeordnet werden, die angeblich wiederum als exekutive von bin ladin fungiert.

die fragen lauten:
existiert dieser zusammenhang wirklich? und wenn nicht, warum wird er konstruiert, und von wem, und wem nutzt das?

gez: märchenprinz

 

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