2004-10-26

Schily klebt "altersstarrsinnig" an der Macht

--- Die Berliner Zeitung legt Schily heute unmissverständlich und ein wenig böse nahe, dass es besser für ihn und das Land wäre, wenn er nicht -- wie angedroht -- auch als Mittsiebziger noch an seinem Posten kleben würde: Innenminister Schily - glaubt man Bild am Sonntag - wird auch noch nach 2006 als Innenminister zur Verfügung stehen. "Im Fall eines Wahlsieges von Rot-Grün" heißt es. Diese Erläuterung ist dringend nötig. Denn nichts läge näher als die Annahme, Schily habe sich bereits mit der Union darauf geeinigt, dass er - ganz gleich, wer unter ihm Bundeskanzler sei - in jedem Fall Innenminister bleiben werde. Für ihre Innenpolitik jedenfalls hat die Union keinen besseren als Otto Schily. Noch-Kanzler Gerhard Schröder soll sich erfreut gezeigt haben über Otto Schilys Bereitschaft, auch noch nach seinem 72. Geburtstag im Kampf gegen den Terrorismus an vorderster Front zu stehen und mit immer neuen Initiativen den Rechtsstaat zu Grunde zu rüsten. Man greift zu kurz, wenn man Schilys Vorschläge einer juristischen und menschenrechtlichen Analyse unterzieht - man betrachte nur die jüngste, aller Vernunft Hohn sprechende Initiative, in Libyen Auffanglager einrichten zu lassen, in denen Asylbewerber getestet werden können. Schilys Vorschläge sind keine Versuche, Probleme zu lösen. Sie speisen sich aus ganz anderen Quellen. Die entscheidende ist Schilys Größenwahn. Rationale Überlegungen über Durchführbarkeit und Praktikabilität erreichen ihn nicht. Was er sich in den Kopf gesetzt hat, das ist richtig. Nicht aus Gründen, sondern weil er es sich in den Kopf gesetzt hat. Er wird in seiner ärztlichen Verwandtschaft Menschen finden, die ihm den korrekten Namen dieser Krankheit sagen können. Das Volk nennt sie "Altersstarrsinn" und weiß, dass sie von Jahr zu Jahr schlimmer wird. Der Spindoktor rät: Otto, nimm deinen Hut!