2004-10-24

WAMS konstruiert Iran-Qaida-Connection

--- Die Welt am Sonntag schürt heute die Angst vor einer Iran-Qaida-Connection, nachdem es mit der Irak-Qaida-Connection ja lange Zeit so gar nicht hinhauen wollte. Das Blatt stützt sich vor allem auf Mohammed Ali Abtahi, den zurückgetretenen Vizepräsident der Islamischen Republik, und auf den BND: "Das nächste halbe Jahr wird nicht nur für den Iran die gefährlichste Zeitspanne seit langem sein. Vielmehr gilt das auch für Europa und die Vereinigten Staaten". Eine unheimliche Botschaft: "Es gibt", sagt er dann, "im Iran innerhalb der Geheimdienste verschiedene Gruppen, für die aktiver globaler Terrorismus gegen den Westen eine immer wahrscheinlichere Option ist." Damit prognostiziert er das, was seit dem 11. September 2001 für westliche Terrorismusexperten der Alptraum schlechthin ist: Daß der von Osama Bin Ladens Ideologie geprägte sunnitische Terrorismus eine engere Kooperation mit der schiitischen Variante des islamistischen Terrors eingeht. Den schätzen westliche Geheimdienste als viel professioneller und daher weitaus gefährlicher ein. Einen Grund dafür benennt die Analyse eines arabischen Geheimdienstes: Wenn ein Terrorismus seit Jahrzehnten staatliche Unterstützung erhält, dann der der Schiiten durch den Iran. So gibt es genügend Hinweise, daß verschiedene Machtkreise radikaler Hardliner des Iran seit Beginn der neunziger Jahre immer wieder mit den unter dem Dach von Al Qaida versammelten islamistischen Netzwerken zusammengearbeitet haben. Von westlichen Geheimdiensten und Gerichten gesammelte Fakten belegen die Allianz von sunnitischem Terrorismus im Stile von Al Qaida und schiitischem Terror - eine Allianz des Schreckens. Der Bericht haut im weiteren dann aber glatt Aiman al-Zawahiri, der als Stellvertreter bin Ladens gilt, mit dem mythenumwobenen und in Falludscha vermuteten al-Zarkawi durcheinander -- ein wenig bessere Recherche wäre da doch hilfreich, um den ganzen Terrornebel zu durchdringen?

Update: Die Atom-Krise rund um Iran verschärft sich derweil rasant: Die Perser haben ein Kompromissangebot der EU zur Lösung des Atomstreits zurückgewiesen. Laut EU-Außenpolitik-Koordinator Javier Solana ist der Gang zum Uno-Sicherheitsrat nun nicht mehr ausgeschlossen.

1 Comments:

At 1:34 nachm., Blogger fartmeal said...

Der Bericht haut im weiteren dann aber glatt Aiman al-Zawahiri, der als Stellvertreter bin Ladens gilt, mit dem mythenumwobenen und in Falludscha vermuteten al-Zarkawi durcheinander.OK, das ist ein peinlicher Fehler der WAMS - möglicherweise nicht mal aufgrund mangelnder oder fehlerhafter Recherche, sondern u.U. einfach ein "Leichtsinnsfehler" des bearbeitenden Redakteurs.

Trotzdem: Wenn man diesen Ausführungen folgt - und die WAMS gibt ja einige eindrucksvolle Belege an, wie beispielsweise die kopierten Pässe - und sich dann noch vor Augen führt, daß Teheran sein Nuklear-Programm vorantreibt, dann sind das keine allzu rosigen Aussichten für den Westen i.a. und Europa im besonderen... Da stellt sich die Frage, wie lange die US-geführte Koalition es sich noch leisten kann, im Irak präsent zu bleiben und wenn man weiter in die Zukunft blickt, ob sich das Engagement der USA im Nahen Osten auf Dauer massiv verändern wird?

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home