2004-11-03

Kerry schmeisst hin

--- Enttäuschung im demokratischen Lager: Da rechneten die Kerry-Anhänger gerade noch die angeblich guten Chancen aus, die der Herausforderer in Ohio beim Auszählen sämtlicher Stimme haben könnte -- und, schwupps, da greift der Senator zum Hörer, ruft Bush an, gratuliert ihm zum Sieg und verzichtet auf die weitere "Auslese" im "Swing-Staat". Mit anderen Worten: Kerry hat einfach keinen Bock mehr, es reicht ihm nach dem phänomenalen Wahlkampf: Wie es hieß, bezeichnete der US-Präsident Kerry als würdigen und ehrenwerten Kontrahenten. Der Demokrat habe im Gespräch mit Bush außerdem beklagt, die USA seien zu zerrissen, und Bush habe dem zugestimmt. "Wir müssen wirklich etwas dagegen tun", sagte Kerry nach Angaben des demokratischen Gewährsmannes. Der sich geschlagen gebende Liberale will sich in wenigen Minuten vor seinen Anhängern im heimischen Boston äußern.

Update: Es ist vollbracht, die Niederlagsrede ist auch vorbei: Kerry sagte: «Ich würde den Kampf nicht aufgeben, wenn es eine Möglichkeit gäbe.» Die Chance in Ohio noch zu gewinnen, sei aber rein theoretisch. ... Nun dürften die Demokraten die Hoffnung nicht aufgeben. «Es wird die Zeit und die Wahl kommen, wo ihr die Welt ändern werdet.» ... Kerrys Vize John Edwards dankte in Boston ebenfalls den Anhängern für die Unterstützung. Es sei ein herausragender Wahlkampf gewesen, John Kerry sei «ein großartiger Amerikaner». Man habe 18 Stunden am Tag hart gearbeitet. Man werde weiter für einen Wechsel in Amerika kämpfen. «Der Kampf hat gerade erst begonnen», so Edwards.

1 Comments:

At 2:18 vorm., Blogger fartmeal said...

Mit anderen Worten: Kerry hat einfach keinen Bock mehr, es reicht ihm nach dem phänomenalen Wahlkampf .

Ja sicher, aber zeigt es nicht auch die Größe eines wahren Staatsmannes, der seine eigenen Interessen und Wünsche zum Wohle seines Volkes hinten anstellt? Das klingt jetzt sicher widersprüchlich, denn Bush hat in den vergangenen vier Jahren vor allem innenpolitisch nicht unbedingt zum Wohl der amerikanischen Bevölkerung beigetragen; aber gerade in Kerrys Aufruf an seine Anhänger und auch an Bushs Adresse gerichtet, nun politisch an einem Strang zu ziehen und gemeinsam die anstehenden Probleme zu lösen, liegt für mich der Schlüssel zu seiner Haltung, die sich als die eines fairen Verlierers erweist, der im Interesse der zügigen Fortsetzung des politischen Tagesgeschäfts auf ein juristisches Gerangel verzichtet.

Stattdessen setzt er auf das langfristig überzeugendere Programm der Demokraten: "Es wird die Zeit und die Wahl kommen, wo ihr die Welt ändern werdet."Mein erster Impuls war auch, "er hat keinen Bock mehr", aber "on second thought" zeigt sich für mich eine Haltung von wahrer Größe, an die man sich hoffentlich in vier Jahren erinnert, sollte er denn nochmal als Kandidat antreten (wollen und können).

 

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