2004-11-06

Sturm frei auf Falludscha

--- Nach dem Sieg Bushs im eigenen Land soll jetzt endlich im Irak die "Rebellenhochburg" Falludscha geschleift werden. Nur dumm, dass UN-Generalsekretär Kofi Annan schon wieder bremst und sich Sorgen um die Wahlen im Zweistromland macht. Aber der Showdown scheint ausgemacht: American armored vehicles roared through the villages surrounding Falluja, the western town at the heart of the Sunni insurgency in Iraq, on Friday as warplanes pounded rebel positions and ground forces ratcheted up their preparations for what appeared to be an imminent assault on the city. Within Falluja, insurgents who were hiding themselves by day among a dwindling and embittered populace set up a defensive perimeter around the city and said they would defeat the Americans or die in a cause they called just. ... "We are going to rid the city of insurgents," said Lt. Col. Gary Brandl, a battalion commander in charge of about 800 marines at a base outside the city. "If they do fight, we will kill them." ... At the United Nations, Secretary General Kofi Annan confirmed that he had formally expressed concern about the effects any invasion of Falluja would have on stability in the country ahead of elections scheduled for January. His concerns could cloud prospects for a major United Nations role in Iraq in the elections and afterward.

Weitere Einzelheiten in der Welt: US-Angaben zufolge läuft seit Wochen die "psychologische Kriegsführung". Über Radiosendungen wird den Menschen in Falludscha gesagt, "daß sie da draußen Freunde haben, die sich um sie kümmern werden, die aber angreifen werden müssen", sagte ein US-Sprecher. ... Rings um die Stadt und in manchen Straßen sind Minenfelder gelegt worden, Gräben wurden ausgehoben und Barrikaden errichtet. Regelmäßig bombardiert die US-Luftwaffe solche Verteidigungsstellungen. Aber von Hubschraubern und Drohnen aus ist nicht alles zu sehen - etwa die vielen Tunnel, die die Rebellen graben, um bei Straßenkämpfen unversehens im Rücken der Angreifer auftauchen zu können. Ganze Straßenzüge sind zu Sprengstoff-Fallen gemacht worden. Und Telepolis berichtet über die "neuen Präzisionswaffen", die von US-Seite eingesetzt werden sollen: Für die geplante Einnahme der Stadt, die wie üblich durch Bombardierungen vorbereitet, was vermutlich mindestens so große Schäden wie in Nadschaf verursachen wird, werden die F-16 Kampfflugzeuge mit einer neu entwickelten Präzisionsrakete ausgerüstet. Der Einsatz in Falludscha wird damit der erste große Test für die GBU-38 werden, die nur halb so groß ist wie die bislang kleinsten satellitengesteuerten Raketen der Joint Direct Attack Munition. ... Allerdings dürften die besten Präzisionsraketen nichts helfen, wenn die Informationen über die Ziele falsch waren, was bei vielen der "Präzisionsschläge" gerade in Falludscha der Fall zu sein scheint. Das ist ein entscheidender Punkt, denn seit April und der doch noch gestoppten Einnahme der Stadt war kein US-Soldat mehr in Falludscha -- und wie erfolgreich die Aufklärungsarbeiten der Geheimdienste waren, ist unbekannt. So wissen natürlich auch nur die Rebellen selbst, ob das Phantom al-Sarkawi sich in dem Nest verborgen hält, wie oft kolportiert.

Die Gotteskrieger haben ihre Gegenaktion jedenfalls heute morgen in Samarra gezündet, sich vor allem irakische Polizeieinheiten vorgenommen und dort ein neues großes Blutbad angerichtet. Doch es treten auch innerhalb der Rebellengruppen wieder einmal Spannungen zutage: Anhänger des Jordaniers Mussab al Zarqawi haben im Internet an die Entführer der Care-Direktorin Margaret Hassan appelliert, diese aus ihrer Gewalt zu lassen. Die Untergrundgruppe, die als Teil des Terrornetzes Al Qaeda gilt, veröffentlichte am späten Freitag eine Erklärung, in der es heißt, die Geiselnehmer sollten «uns diese Gefangene übergeben», dann werde sie sofort freigelassen, «es sei denn, es wird bewiesen, dass sie ein Komplott gegen Muslime schmiedet». Weiter schreiben die Extremisten: «Gott hat uns gelehrt, den Frauen, die uns nicht bekämpfen, nichts zuleide zu tun.» Die Zarqawis Gruppe zugeordnete Erklärung erschien auf einer Website, auf der wiederholt Inhalte islamistischer Gruppierungen zu lesen gewesen sind. Es war – wie in den meisten dieser Fälle – nicht klar, ob die Aussagen authentisch waren. Experten halten das jedoch für wahrscheinlich.

Update: Der Großangriff hat begonnen. Die Reaktion der Terroristen: Nach den Selbstmordanschlägen in Samarra wurden am Sonntag auch nordwestlich von Bagdad über 20 irakische Polizisten regelrecht hingerichtet.