2004-12-08

Folterungen und Erschießungen im Irak lassen die US-Regierung kalt

--- Die Berichte über weitere Folterungen und kaltblütige standrechtliche Hinrichtungen irakischer Verhörter und Gefangener durch US-Soldaten nehmen kein Ende. So gibt es etwa Mordvorwürfe gegen einen GI nach einer "Aufräumaktion" in Sadr City, einem Vorort von Bagdad: Es war der frühe Morgen des 28. August, als die Soldaten des 41. Infanterieregiments an einem einstöckigen Haus im umkämpften Bagdader Viertel Sadr-Stadt ankamen. Wegen der drückenden Hitze hatten sich die Bewohner des Hauses, eine fünfköpfige Familie, zum Schlafen in den Hof gelegt. Die Soldaten hielten die Familie im Hof fest, während sie das Haus durchsuchten. Nachdem sie einen Revolver und ein AK-47-Gewehr gefunden hatten, befahlen der Anführer der Einheit, der Feldwebel Michael W., und der Gefreite Brent M. dem Familienvater, ihnen ins Haus zu folgen. Waffenbesitz ist im Irak allerdings auch unter der Zivilbevölkerung wegen der Sicherheitslage durchaus üblich und erlaubt. Im Haus wurden dann nicht mehr allzu viele Worte gewechselt. "Du weißt, was du zu tun hast", soll W. zu M. gesagt haben. Der fragte: "Kann ich ihn erschießen?" Die Antwort: "Erschieß ihn!" M. schoss dem Iraker zweimal in den Kopf. ... Der Vorfall, über den die "Los Angeles Times" jetzt unter Berufung auf eine Anhörung in Bagdad berichtete, ist nur einer von rund einem Dutzend Morden, die US-Soldaten im Irak derzeit zur Last gelegt werden. Darüber hinaus hat die American Civil Liberties Union (ACLU) unter Berufung auf den Freedom of Information Act der USA Dokumente erhalten, wonach sich selbst FBI-Terrorjäger über den Umgang von US-Soldaten mit irakischen Gefangenen beschwerten. "The more the government is forced to reveal, the more we learn that individuals in U.S. custody, many of whom have not been accused of wrongdoing, were tortured and abused," said ACLU Executive Director Anthony D. Romero. "These documents tell a damning story of sanctioned government abuse -- a story that the government has tried to hide and may well come back to haunt our own troops captured in Iraq."



Doch für die US-Medien jenseits einiger kritischer liberaler Zeitungen sind die ständig neuen Meldungen kaum ein Thema mehr und die Bush-Regierung strickt weiter an der Legende vom Ausrutscher Abu Ghraib. Welche Verantwortung hohe Militärs, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der designierte Justizminister Alberto Gonzalez, oder der Präsident George W. Bush tragen, wird nicht untersucht. Dabei besteht inzwischen kein Zweifel mehr daran, dass die Bush-Administration mindestens das Klima, in dem die Exzesse erst möglich wurden, geschaffen hat. Was Amerikas Sicherheit nützt, muss auch erlaubt sein, hieß nach dem 11. September die neue Maxime; erst kippten die Genfer Konventionen dann kam die Suche nach immer effektiveren Verhörmethoden. Bush lobt derweil lieber mal wieder bei einer seiner bevorzugten Reden inmitten der andächtig lauschenden Truppe die gute Arbeit der Truppe. Wunderschöne Fotos für alle Fans symbolischer Politik gibts dazu auch beim Weißen Haus.

3 Comments:

At 4:25 vorm., Anonymous Anonym said...

Wenn der Soldat aber fertig hat und nach Hause kommt, sieht das nicht mehr so idyllisch aus:

http://washingtontimes.com/upi-breaking/20041207-121848-6449r.htm

Vom Irak ins Obdachlosenasyl

 
At 7:15 nachm., Anonymous Anonym said...

I will say that the two leading US newspapers - NY Times and Washington Post - have had front page coverage on all of this. The press is doing its job. The public is apathetic - maybe everyone is just Christmas shopping!
-David

 
At 8:29 nachm., Blogger sk said...

i know, that's why i mentioned the "few liberal papers" ;-) but these are "just" the usual suspects

 

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