2005-01-31

Ein bisschen Demokratie für den Irak

--- Wenn schon nicht den wirklichen Frieden, so hat die im Vorfeld von zahlreichen Terrorakten bekämpfte Wahl dem Irak der Mehrheit der Medienberichte zufolge zumindest ein bisschen Demokratie gebracht. Überall machen Fotos die Runde, auf denen stolze Iraker ihre blau markierten Finger als Zeichen für die Stimmabgabe zeigen. Das Symbol ist natürlich auch so zu interpretieren, dass sie damit gleichzeitig dem Terrorpapst al-Sarkawi und seinen Mannen "den Finger" zeigen. Denn das Kalkül der Terrorbande, mit Warnungen über blutüberlaufene Straßen die Bevölkerung vom Wählen abzuhalten, gingen glücklicherweise nicht auf: Trotz der mörderischen Begleitumstände ist die Wahl im Irak ein Erfolg - für die Amerikaner, vor allem aber für das irakische Volk. Die Menschen haben mutig gegen den grassierenden Fatalismus votiert. ... Falls die Wahlbeteiligung von 60 Prozent eine belastbare Angabe sein sollte, wäre das keine Sensation aber auf jeden Fall ein gutes Ergebnis. Immerhin besser als bei manchen Landtagswahlen im friedlichen Deutschland. Nie hat eine Regierung im Irak so viel Legitimation besessen wie die, die in den kommenden Wochen in der streng gesicherten Green Zone von Bagdad eingeschworen werden wird. Das Land, das sie regieren soll, ist voller schwarzer Löcher. Vor allem im Zentralirak gab es wegen der Bürgerkriegssituation keine echte Wahlfreiheit - und das war ausnahmsweise nicht die Schuld der US-Besatzer. Über die Frage, wie sich die sunnitische Minderheit nun im neuen Irak aufzustellen gedenkt, wird in den kommenden Wochen viel spekuliert werden. ... Der Irak ist seit dem 30. Januar neben Israel und der Palästinensische Autonomiebehörde im Mittleren und Nahen Osten das einzige Land, in dem ein demokratisches Staatswesen existiert oder aufgebaut wird. ... Der Ausgang des Krieges, den die Terroristen im Irak zu gewinnen drohten, ist jedenfalls seit heute wieder offen. Viel Pathos strömt da mit in vielen Meldungen über die mutigen Bewohner des Zweistromlandes, obwohl noch abzuwarten ist, ob nicht hauptsächlich die sich auf der Suche nach einem eigenen Staat befindlichen Kurden gewählt haben. Aber zumindest scheint der Irak tatsächlich erstmals wieder eine Chance zu haben.

1 Comments:

At 10:47 vorm., Anonymous Anonym said...

Warum haben sie keine Kommentare? Koennen Se nich die Erklaerungen auf deutsch geben?

tim.robson@caramail.com

 

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