2005-02-22

Böse deutsche anti-amerikanische Medien

--- Passend zum Bush-Besuch beklagt Lutz Erbring vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der FU Berlin pauschal ein anti-amerikanisches Vorurteil in den deutschen Medien in einem Interview mit der konservativen Welt (die ihre Redakteure nach dem 11.9. einen Treueeid auf die deutsch-amerikanische Freundschaft schwören ließ): Wir haben versucht, die auf die USA bezogenen Stereotypen, die immer wieder durchbrechen, zu klassifizieren. Sie reichen von Arroganz, über Unkultur, Doppelmoral, Prüderie bis hin zu Oberflächlichkeit und werden durch Medien wie Fernsehen, Radio, Zeitungen Zeitschriften vermittelt und verstärkt. Ein beliebiges Beispiel dafür war eine ARD Nachrichtensendung zum Beginn der Invasion in Irak vor etwa zwei Jahren, als die Moderatorin, ich glaube es war Anne Will, zu einer Zeit, als die aktive Bombardierung gerade voll im Gange war und die Amerikaner mit High-Tech Gerät und "intelligenten Marschflugkörpern" militärische Ziele herausgepickt haben, sagte: Die amerikanische Luftwaffe hat wieder "Schneisen durch Bagdad gebombt". "Schneisen" - das Wort erinnert natürlich viele Deutsche an die Flächenbomdardements im Zweiten Weltkrieg. Wenn man solche Formulierungen in den Nachrichten über ein innenpolitisches Konfliktthema benutzen würde: dann würden aber die Telephone heiß laufen. Ich bin sicher, in diesem Fall gab es kaum einen Anruf. ... Geprägt ist diese neueste Form des Antiamerikanismus nicht zuletzt durch die besonders hohe Reizqualität, die Präsident George W. Bush jr. in der deutschen und europäischen Öffentlichkeit besitzt. Ende 2003, kurz nach der Invasion im Irak, fühlten sich nur noch rund neun Prozent der Deutschen als den Amerikanern nahe stehen, 45 Prozent sagten: "Amerika ist mir fern." Fünf Jahre zuvor war die Relation etwa umgekehrt. Vielleicht ist es nicht nur eine wie auch immer geartete "Reizqualität", sondern berechtigte Kritik an Bushs Agenda, die Kritiker -- hier wie in den USA selbst -- auf den Plan ruft? Zum Thema Bush polarisiert die deutsche Bevölkerung siehe auch I love George W. in der Zeit.

2 Comments:

At 12:50 vorm., Anonymous Wuldorblogger said...

Ist es bloß eine Folge von "Kritik an Bushs Agenda", daß mehr Deutsche an "Blut für Öl" glauben als mit Amerikahaß indoktrinierte Pakistanis? Daß Bush in Deutschland deutlich negativer bewertet wird als Putin? Daß er als größere Bedrohung empfunden wird als Osama bin Laden, Kim Jong Il und die iranischen Mullahs zusammen? Daß "Medien Tenor" zu dem Ergebnis kommt, daß al-Dschasira positiver über Bush berichtet als ARD und ZDF?

Von einem "Spindoktor" hätte ich schon erwartet, etwas weniger oberflächlich zu argumentieren...

 
At 6:09 nachm., Anonymous unAmerikaner said...

Amerika ist eine größere Bedrohung für Deutschland als Bin Ladens Organisation, Nordkorea und Iran zusammen aus folgenden Gründen: Keine der eben genannten Organisationen, bis will Deutschland momentan ernsthaft bedrohen. Al Qaida könnte vielleicht Angriffe auf amerikanische und britische Ziele in Deutschland planen, had aber sehr begrenzte Mittel.

Amerika ist die einige von dir genannte Macht, die ausreichende Mittel hat um Deutschland anzugreifen.

 

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