2005-02-18

Bushs Medien- und Propagandakrieger

--- Die New York Times am Sonntag wirft einen Blick auf die zunehmenden Enttarnungen von "Journalisten", die eigentlich von der Bush-Regierung bezahlt werden für dreiste Propaganda. Konkreter Anlass ist der Fall eines "Reporters", der bei den Pressebriefings des Weißen Hauses durch besonders handzahme Fragen auffiel: "Jeff Gannon's" real name is James D. Guckert. His employer was a Web site called Talon News, staffed mostly by volunteer Republican activists. Media Matters for America, the liberal press monitor that has done the most exhaustive research into the case, discovered that Talon's "news" often consists of recycled Republican National Committee and White House press releases, and its content frequently overlaps with another partisan site, GOPUSA, with which it shares its owner, a Texas delegate to the 2000 Republican convention. Nonetheless, for nearly two years the White House press office had credentialed Mr. Guckert, even though, as Dana Milbank of The Washington Post explained on Mr. Olbermann's show, he "was representing a phony media company that doesn't really have any such thing as circulation or readership." ... By my count, "Jeff Gannon" is now at least the sixth "journalist" (four of whom have been unmasked so far this year) to have been a propagandist on the payroll of either the Bush administration or a barely arms-length ally like Talon News while simultaneously appearing in print or broadcast forums that purport to be real news. Of these six, two have been syndicated newspaper columnists paid by the Department of Health and Human Services to promote the administration's "marriage" initiatives. The other four have played real newsmen on TV. Before Mr. Guckert and Armstrong Williams, the talking head paid $240,000 by the Department of Education, there were Karen Ryan and Alberto Garcia. Let us not forget these pioneers - the Woodward and Bernstein of fake news. They starred in bogus reports ("In Washington, I'm Karen Ryan reporting," went the script) pretending to "sort through the details" of the administration's Medicare prescription-drug plan in 2004. Such "reports," some of which found their way into news packages distributed to local stations by CNN, appeared in more than 50 news broadcasts around the country and have now been deemed illegal "covert propaganda" by the Government Accountability Office. Vermutlich ist das alles erst die Spitze eines Eisbergs. Die Spindoktoreien und die Demagogie der Bush-Regierung haben anscheinend längst ein Ausmaß angenommen, mit dem bisher keiner wirklich gerechnet hat.

Update: Mehr zum Thema "Jeff Gannon" heute und der Washington Post, wo es vor allem um dessen Doppelspiel mit dem Thema Homosexualität geht. Siehe dazu auch das Americablog und Crooks & Liars

Update 2: "Jeff Gannon" versucht sich inzwischen auch als Blogger.

3 Comments:

At 1:22 nachm., Anonymous woweezowee said...

Jeff Gannon/Guckert ist schon ne Oberkanone, das muss man sagen. Humorvoll bissig hat das die Daily Show verwurstelt. Um mal zu entspannen, empfehle ich das Video der Sendung. Habe ich hier verlinkt.

"Die Spindoktoreien und die Demagogie der Bush-Regierung haben anscheinend längst ein Ausmaß angenommen, mit dem bisher keiner wirklich gerechnet hat."
Ich rechne mittlerweile mit allem, leider. Wirklich schade, eigentlich, dass das so ist.

 
At 3:24 nachm., Blogger fartmeal said...

M.W. befindet sich der direkte Zugang zum Film hier. Die "Lektüre" dieses Ausschnitts empfehle ich unbedingt! Erinnert irgendwie an den Kinofilm "Wag the Dog", wo die scheinbaren Übertreibungen an Ironie irgendwie dann doch von der Realität eingeholt zu werden schienen. Ausserdem teilweise wirklich zum Brüllen komisch! Was natürlich den ernsten Hintergrund nicht verharmlosen soll, der so aussieht, dass James D. Guckert aka Jeff Gannon seine Reporter-"Karriere" möglicherweiseweise dem Umstand verdankt, vom Weißen Haus regelrecht engagiert worden zu sein. Und das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass er zuvor offenbar seine Dienste als homosexueller Begleiter potentiellen Kunden der BDSM-Szene per Website anbot.

Also im Klartext: Ein schwuler Callboy, der seinen Kunden auf Wunsch und gegen Bezahlung den Hintern versohlt, sie verbal und physisch erniedrigt, auf sie uriniert und ähnliche Gepflegtheiten mehr (das sind allesamt Szenarien, die BDSM-Anhänger beizeiten praktizieren), wird vom Weißen Haus engagiert (letzteres ist noch nicht zweifelsfrei erwiesen bzw. nicht belegt), welches unter George W. Bush beispielsweise für ein Verbot der Heirat homosexueller Lebenspartner eintritt!? Sollten sich die Ungereimtheiten in bezug auf die Person Jeff Gannon oder James D. Guckert tatsächlich in obiger Weise bewahrheiten, hätte damit die Doppelmoral im Gelobten Land eine bislang wohl nie dagewesene Klimax erreicht. Mehr dazu unter den Quellen, die der Spindoktor in seinem Posting nennt.

 
At 3:57 nachm., Blogger fartmeal said...

Nachtrag: Mein Kommentar mag einen homophoben Eindruck hinterlassen haben, den ich hier geraderücken will: Im Kern der Sache geht es nicht um Gannons persönliche Vorlieben oder ähnliches, sondern um die Vergabepraxis der Zugangsrechte zu den Pressekonferenzen im Weißen Haus. In dem Zusammenhang werden beruflicher wie privater Hintergrund jedes Journalisten offenbar akribisch geprüft. Im Fall von Gannon war man der Ansicht, dass seine Tätigkeit als Autor für Talon News keine ausreichende Grundlage bilde, ja, Talon News selbst eine sehr zweifelhafte Grundlage habe.

Trotzdem hatte er nur sechs Tage später Zugang zum Weißen Haus und sogar zu streng geheimen CIA-Dokumenten. Diese Vorgänge werfen zur Zeit die Frage auf, was da im Weißen Haus eigentlich vor sicht geht. An Zufälle mag da niemand glauben.

 

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