2005-06-10

Vom Downing Street Memo zur Amtsenthebung?

--- Das Downing Street Memo, ein von der britischen Times schon am 1. Mai veröffentlichter Beweis für das von Halbwahrheiten gegenüber der Öffentlichkeit durchsetzte Gemauschel zwischen Bush und Blair auf dem Weg in den Irak-Krieg, sorgt nun nach einer nur sehr langsamen Aufnahme in einzelnen Online-Magazinen doch noch in den USA für Schlagzeilen. So widmet sich zumindest einmal The New York Review of Books in einem ausführlichen Artikel dem Secret Way to War und wirft darin einige unbequeme Fragen auf:
As Americans watch their young men and women fighting in the third year of a bloody counterinsurgency war in Iraq—a war that has now killed more than 1,600 Americans and tens of thousands of Iraqis—they are left to ponder "the unanswered question" of what would have happened if the United Nations weapons inspectors had been allowed—as all the major powers except the United Kingdom had urged they should be—to complete their work. What would have happened if the UN weapons inspectors had been allowed to prove, before the US went "into battle," what David Kay and his colleagues finally proved afterward? Thanks to a formerly secret memorandum published by the London Sunday Times on May 1, during the run-up to the British elections, we now have a partial answer to that question. The memo, which records the minutes of a meeting of Prime Minister Tony Blair's senior foreign policy and security officials, shows that even as President Bush told Americans in October 2002 that he "hope[d] the use of force will not become necessary"—that such a decision depended on whether or not the Iraqis complied with his demands to rid themselves of their weapons of mass destruction—the President had in fact already definitively decided, at least three months before, to choose this "last resort" of going "into battle" with Iraq. Whatever the Iraqis chose to do or not do, the President's decision to go to war had long since been made.
Mehr zum Thema heute in Telepolis in einem Interview mit Ex-US-Präsidentschaftskandidat Ralph Nader, der ein Amtsenthebungsverfahren fordert und die Brisanz des Dokuments noch einmal hervorhebt:
Darin werden Gespräche zwischen dem britischen Premier Tony Blair und seinen führenden Beratern am 23. Juli 2002 wiedergegeben, acht Monate vor dem Angriff auf den Irak also. An dem Treffen nahmen neben Tony Blair auch Richard Dearlove, der damalige Direktor des Auslandsgeheimdienstes MI-6, und einige seiner Sicherheitsberater teil. Dearlove berichtete, dass die Bush-Regierung einen "präventiven Angriff" auf Irak plane. Er hatte das bei Treffen mit US-Regierungsvertretern, in Washington erfahren, von denen er gerade zurückgekehrt war. Seinem Bericht zufolge war es für Präsident Bush schon im Sommer 2002 beschlossene Sache, Irak anzugreifen und Saddam Hussein zu stürzen. Dearlove erklärte auch, dass der Krieg "durch die Verbindung zwischen Terrorismus und Massenvernichtungswaffen" in Irak begründet werden sollte. Man muss ihm zugute halten, dass er zugleich seine Position erklärte. Danach seien die tatsächlich vorliegenden Informationen den politischen Zielen untergeordnet worden. Der britische Außenminister Jack Straw hat diese Version später bestätigt. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Authentizität des Dokumentes bislang nicht widerlegt werden konnte. ... Zum ersten Mal aber erklärt in dem Protokoll ein hochrangiger Vertreter der Allianz, dass die Informationen manipuliert wurden, um den Angriff auf Irak zu rechtfertigen. ... Seit der Veröffentlichung des Downing Street Memos haben 100.000 US- Bürger eine Petition von Senator John Conyers (Demokratische Partei) an Präsident Bush unterzeichnet. Diese Bewegung hat im Internet unter AfterDowningStreet.org eine Plattform geschaffen.
Und sonst: Wer einmal lügt ... Patriot Act Works, Bush Claims. President Bush on Thursday credited the Patriot Act with helping to convict more than 200 terrorists and dismissed accusations that the law has violated civil liberties, Wired News.

Geheimnisvolle Bloggeraktion bei Spreeblick und Co. Die deutsche Blogosphäre hält den Atem an und wartet auf den Final Countdown.

News Junkies Need It Now. FreeNews delivers a speedy tool that lets info addicts cruise RSS feeds for the latest headlines using just a mobile phone, Wired News.

U.S. Edits Global Warming Reports. A White House official repeatedly adjusts language in climate change reports already vetted by government scientists, watering down the impact of emissions on global warming, Wired News.

Frei für einen Euro. In Hamburg dürfen sich jetzt auch Journalisten für 100 Cent pro Stunde verdingen und damit die ehemaligen Kollegen überflüssig machen, Junge Welt.

1 Comments:

At 12:53 vorm., Anonymous Anonym said...

Die Frage ist, warum haben wir nichts ueber den "Downing Street memo" gehoertet? Wo bist die Wahrheit? Es ist nicht mit unsere President!

Bitte, Gott hilfen uns!
Demokrat in Amerika

 

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