2005-08-29

Die Macht des Wahlduells

--- Die FAZ widmet sich heute den Rededuellen und deren Wirkung und Vorbereitung in den USA. Neben der Tatsache, dass Bush-Herausforderer John Kerry 2004 trotz dreier TV-Duellsiege am Ende doch nicht Präsident wurde, beschreibt Matthias Rüb vor allem, einen wichtigen Aspekt in punkto Pressefreiheit: "Anders als in Deutschland, wo die Redaktionen der öffentlich-rechtlichen und der privaten Fernsehsender selbst die Regie bei den Fernsehdebatten führen und auch die Moderatoren bestellen, übernimmt diese Aufgabe in den Vereinigten Staaten eine 1987 eigens gegründete unabhängige Kommission. Diese ließ sich bei der Vorbereitung der Debatten im vergangenen Jahr nicht von den Wahlkampfstäben der Kandidaten dazu überreden, daß die vier Moderatoren der einzelnen Debatten - respektierte Journalisten dreier privater Sender und des öffentlich-rechtlichen Fernsehkanals PBS - das Dokument ebenfalls unterzeichneten: Sie wollte die Kontrolle über das Verfahren bei den Fernsehduellen nicht an die Wahlkampfteams abtreten." Hierzulande reden die Wahlkampfteams erheblich mit, wenn es um die Gestaltung der Duelle geht. Gut zu wissen, dass deren Bedeutung in der reizüberfluteten Mediengesellschaft nicht mehr entscheidend sind, wenn auch bei dem diesjährigen, extrem kurzen Wahlkampf Medien mit einer hohen und vor allem schnellen Verbreitung wichtiger sind als bei anderen Wahlkämpfen. "Die Zweikämpfe in Amerika, die Debatten der Spitzenkandidaten der Parteien in Deutschland im Fernsehen sind gewiß wichtig in unserer Epoche der „Mediendemokratien” - aber so wichtig nun auch wieder nicht. Längst nämlich sind die Kandidaten, ihre Positionen und ihre Sentenzen, ihre Haartracht und ihre Kleidung, ihre Mimik und ihre Gestik fast schon bis zum Überdruß bekannt. So gut ist man mit Angie und mit Gerhard, mit George W. und mit John zumal aus dem Fernsehen vertraut, daß eine entscheidende Fernsehdebatte eben nichts mehr entscheidet."

2 Comments:

At 12:16 nachm., Anonymous Bernhard Mehling said...

Wie ich gerade gelesen habe, meint Rüdiger Scheidges vom Handelsblatt: "Kein Malheur bringt die Umfragewerte mehr in den Keller und die Kanzlerkandidatin in Bedrängnis." - Angela Merkel ist auf der Siegerstraße (Quelle: http://www.kommentare-online.de/Themen/Wahlkampf/20050829_Wahlkampf_Auf_der_Siegerstrasse.html). Damit kann sie doch gelassen in jedes TV-Duell gehen.

 
At 2:33 nachm., Blogger Nat said...

Ich glaube, ohne Manipulation hätte der "Diskussionssieger" Kerry auch - ganz normal - die Wahl gewonnen... Dass Präsident Bush - zu Recht - die Wahl für sich entschieden hat, was hier auch wieder implizit gesagt wird, ist auch nur wieder eine Meinung der "Mainstream-Medien"...

Wie wäre es in Zukunft mit dem Ausdruck "scheinbar" oder "offiziell", nachdem ja schon solche Bücher erschienen sind: http://www.theunderweb.ch/underradar/2005/07/fooled-again.html ?

 

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