2005-09-11

9/11 und Katrina

--- Heute ist also der vierte Jahrestag der Anschläge auf New York und Washington vom 11. September 2001. Es findet sich dazu natürlich auch das ein oder andere Stück dazu in den Medien. Peter Bürger etwa wirft in Telepolis auf die sich in zahlreichen Hollywood-Filmen schon vorab abgespielte Katastrophe. Einen Ausblick auf künftig denkbare ferngesteuerte Terroranschläge liefert Florian Rötzer dazu. Update: Und inzwischen reflektiert da auch noch Goedart Palm übers Terror-Business as usual. Die Welt am Sonntag bringt derweil Beckstein und Schily zum Thema Terrorbekämpfung auf Kuschelkurs. Die beiden sich duzenden Gesinnungsbrüder bemühen sich redlich, noch irgendwelche Unterschiede bei den bereits erfolgten und noch ausstehenden möglichen Einschnitte in die Bürgerrechte deutlich zu machen (es gelingt nicht so wirklich). Doch ansonsten wird der Schrecken von 9/11 allenthalben durch Katrina und die Folgen überlagert. Die LA Times etwa kritisiert nicht nur den vom Pentagon inszenierten Gedenkmarsch Freedom Walk, sondern zieht in ihrem Editorial einen Vergleich zwischen den beiden "epochalen" Ereignissen:
IF 9/11 SHOWED HOW MUCH the world had changed, then 8/29 showed how much it hadn't. Four years ago, when terrorists crashed jets into the World Trade Center and the Pentagon, history was cleaved in half — the era before 9/11 and after. Will 8/29, the day Hurricane Katrina made landfall along the Gulf Coast, prove to be a similar demarcation line? The answer is complicated by the slow realization, with each anniversary, that 9/11 did not change the world (or America) as much as we thought. The response to Katrina, from both the government and the public, is the best illustration. Both days laid bare intractable problems, but in the case of 9/11, blame for the tragedy was clear: Terrorists had attacked America. Bound by a common enemy, Democrats and Republicans enjoyed an unusual period of civility and cooperation. No such period exists today. In part this is because the differences 9/11 glossed over are now plain; as it turns out, liberals and conservatives disagree about a lot of things, including the best way to fight a war against terrorists. In the aftermath of 8/29, unlike 9/11, the politics are more vicious because the enemy is less obvious. In other ways, 8/29 showed the government (at all levels) to be just as unprepared and incompetent — although in new and distressing ways — as it was before 9/11.
Die New York Times haut in dieselbe Kerbe und rechnet der Bush-Administration und den restlichen Regierungsverantwortlichen ihr Versagen bei der Reaktion auf die Naturkatastrophe und noch einmal im Detail vor (Breakdowns Marked Path From Hurricane to Anarchy). Zudem räumt sie den Erinnerungen "Überlebender" breiten Raum ein. CNN hat derweil durchgesetzt, dass die Suche nach Leichen vom Fernsehen begleitet und die Bilder gesendet werden dürfen. Die Behörden hatten zunächst anderes angekündigt, der Nachrichtensender mit einer Klage gedroht. Die Verhältnisse könnten also kaum unterschiedlicher sein als nach dem 11. September 2001. Bushs Vorwärtsverteidigung mit dem eigenen Vergleich zwischen 9/11 und Katrina verfängt da nicht mehr, seine Umfragewerte liegen im Keller.

Und sonst: Noch ein Jahrestag, und zwar der von Rathergate.

Die ARD widmete sich in Plusminus mal wieder der beim Spindoktor besonders beliebten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die momentan auch ganze Zeitungen wie die FTD mit einer Werbekampagne überzieht.

Passend dazu auch das neue Buch von Cerstin Gammelin und Götz Hamann: Die Strippenzieher. Manager, Minister, Medien – Wie Deutschland regiert wird. Via LobbyControl.

Update: Der unvermeidliche Bröckers darf an diesem Tag natürlich auch nicht fehlen.

<a href="http://del.icio.us/esmaggbe/terror" rel="tag">terror</a>, <a href="http://del.icio.us/esmaggbe/katrina" rel="tag">katrina</a>, <a href="http://del.icio.us/esmaggbe/bush" rel="tag">bush</a>