2005-10-14

Terror in Naltschik, in Holland und im Netz

--- Terror beherrscht heute mal wieder die Schlagzeilen, allen voran die neuen Unruhen im Kaukasus, wo es dieses Mal nach Beslan im nahen Naltschik zu bürgerkriegsähnlichen Szenen kam:
Der Arbeitstag bei der Zeitung des Südens in Naltschik beginnt immer um neun. „Zum Glück“, sagt Irina, „denn wir waren alle schon im Büro, als es anfing.“ Es ist nicht etwa so, dass ein paar aus der Ferne zu hörende Schüsse die 24-jährige Journalistin schon aus der Ruhe bringen würden. „Wir haben uns an gelegentliche Angriffe auf Polizeiposten gewöhnt. Wir haben gelernt, damit zu leben“, berichtet sie am Telefon. Doch an diesem Morgen war es anders, ganz anders. Was eben noch Irinas gewohnter Weg zur Arbeit war, verwandelte sich einige Minuten nach neun Uhr in ein Kriegsgebiet. ... „Das waren genau geplante und koordinierte Attacken“, sagte ein Polizeioffizier der Nachrichtenagentur Tass. Es klang ein bisschen nach einer trotzigen Rechtfertigung. Immerhin war es den russischen Sicherheitskräften wieder einmal nicht gelungen, einen schweren Angriff zu verhüten – so wie vor kaum mehr als einem Jahr im 97 Kilometer entfernten Beslan. Eine Zeit lang mussten die Menschen an diesem Donnerstagmorgen gar bangen, dass sich die Geschichte auf fürchterliche Weise wiederholt. In der Schule Nummer 5 von Naltschik seien Schüsse gefallen, meldeten die Medien. Wenig später aber hieß es, alle Schüler seien rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden. ... Republikspräsident Arsen Kanokow spricht am Nachmittag von 50 „vernichteten“ Angreifern und zwölf getöteten Zivilisten. Doch solche Angaben sind fast wertlos, zu widersprüchlich und unübersichtlich sind die Informationen, die aus der vom Militär abgeriegelten Stadt nach außen dringen. Mal ist von 60, mal von 300, mal von 600 islamischen Kämpfern die Rede. So unklar wie die Zahl der Angreifer sind zunächst auch deren Ziele. Die örtliche islamistische Gruppe „Jarmuk“ sei verantwortlich, glauben die Behörden in Naltschik. Doch wie stets in solchen Fällen, braucht Russland auch auf tschetschenische Bekenntnisse im Internet nicht lange zu warten. Der den tschetschenischen Islamisten nahe stehende Dienst Kawkas-Zentr vermeldet, „Einheiten der Kaukasus-Front der Streitkräfte der Tschetschenischen Republik Itschkeria“ hätten Naltschik angegriffen. ... Gläubige Muslime werden von den Behörden pauschal als islamistische Extremisten verdächtigt, nach Aussage von Menschenrechtlern wird auf Polizeistationen routinemäßig gefoltert. Das und die hohe Arbeitslosigkeit spielen den islamischen Extremisten der Gruppe „Jarmuk“ in die Hände, die sich in den Bergen der kleinen Republik verschanzt haben, und die verantwortlich sind für eine Reihe von Anschlägen der vergangenen Jahre. Von der Stabilität, für die Kabardino-Balkarien einst gerühmt wurde, ist nichts mehr übrig. Das neue Ausmaß der Gewalt aber habe sie nicht für möglich gehalten, bekennt Irina, die Journalistin von der Zeitung des Südens. „Wir sind im Schock“, sagt sie.
Die Niederlande sind derweil auch in Aufruhr, weil dort angeblich Anschläge auf Politiker mit terroristischem Hintergrund verhindert werden konnten. Aber das hört sich alles noch recht vage an. CNet beschäftigt heute zudem mal wieder die unendliche Geschichte "Al-Qaida im Internet" nebst der online verbreiteten Propaganda der Islamisten. In Berlin sorgen ferner MMS mit islamistischer Propaganda bei Schülerinnen und den Behörden für Aufregung ("Horror" titelt die Netzeitung).

Und sonst: Operation Halbwahrheit: Bushs gespindoktorte Telekonferenz mit US-Soldaten im Irak beschäftigt Blogger in den USA, die New York Times und Telepolis.

Bush im Tief wegen Rove und Co.: Scandals Take Toll On Bush's 2nd Term. A series of scandals involving some of the most powerful Republicans in Washington have converged to disrupt President Bush's agenda, distract aides and allies, and exacerbate political problems for an already weakened administration, according to party strategists and White House advisers.

Jitters at the White House Over the Leak Inquiry. These days, the routines are the same for the White House. But everything, in the glare of a criminal investigation, is different.

<a href="http://del.icio.us/esmaggbe/terror" rel="tag">terror</a>, <a href="http://del.icio.us/esmaggbe/bush" rel="tag">bush</a>

1 Comments:

At 12:08 vorm., Anonymous Anonym said...

Und wo ist der SPIN?

 

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