2006-01-17

Agenten enttarnt: Neues von der BND-Affäre im Irak

--- Die BND-Lauscherei im Irak beschäftigt weiter eifrig die Medien -- und inzwischen auch Generalbundesanwalt Kay Nehm: Der Berliner «Tagesspiegel» berichtet, am Montag seien mehrere Anzeigen wegen strafbarer «Vorbereitung eines Angriffskriegs» eingegangen, die nun geprüft würden. «Wir müssen uns erst über den Sachverhalt Klarheit verschaffen», hieß es in Anspielung auf Berichte der vergangenen Tage, denen zufolge BND-Beamte die USA mit Informationen über das Kriegsgeschehen und möglicherweise sogar über militärische Ziele versorgt haben sollen. Außenminister Frank Walter Steinmeier gibt inzwischen zwar zu, dass in Bagdad während des Irak-Kriegs Agenten des Bundesnachrichtendienstes zu Gange waren: «Wenn verhindert werden konnte, dass eine Botschaft oder ein Krankenhaus getroffen wird, dann hat das nichts mit Doppelmoral zu tun», sagte der SPD-Politiker der «Bild»-Zeitung. Eine seltsame Gesinnungsethik legt der gute Mann da zutage. Vorzeige-SPDler Matthias Platzeck weiss auch nicht mehr weiter: «Wir lassen uns durch eine solche Kampagne eine Politik unter Gerhard Schröder nicht zerreden», sagte der brandenburgische Ministerpräsident am Samstag in Halle beim Landesparteitag der SPD Sachsen-Anhalt. «Wir haben den Irak-Krieg nicht mitgemacht, und das war gut so.» Alles nur eine Medienkampagne, logisch. Aber das Wowi-Zitat beherrscht der SPD-Vorsitzende ja noch nicht so ganz. Der Groalitionspartner versagt ebenfalls auf ganzer Linie: Die Union fürchtet um den Ruf des Bundesnachrichtendienstes und mag daher keinen Untersuchungsausschuss. Spiegel Online outet derweil die beiden Agenten bzw. die beiden outeten sich selbst über eine private Homepage -- auch Spitzel gönnen sich ja sonst nix:
Seinem Bekanntheitsgrad arbeitete einer der beiden Männer, die sonst eher im Stillen agieren, fleißig zu. Bis vor kurzem konnte man unter dem Klarnamen von Reiner M. im Internet eine ausführliche private Homepage finden, dort veröffentlichte der ehemalige BND-Mann Fotos seiner neuen Heimat im australischen Canberra. Die Offenheit erstaunt mittlerweile auch seine Chefs beim BND. Kombiniert man die Bilder, ist man schnell bei der Privatadresse des Agenten. Auch wenn die Seite kürzlich aus dem Netz genommen wurde, wird Reiner M. und seinen Vorgesetzten beim BND die Speicherkraft des Webs zum Verhängnis. Reste seiner Selbstdarstellung sind im Cache zu finden. Im Gästebuch findet man unverblümte "Grüße aus Pullach" oder die Grüße eines "Ralph". Er erinnert sich wehmütig an die "gemeinsamen Biere" im jordanischen Amman. "Den Bildern zufolge hast Du es deutlich besser getroffen", setzt "Ralph" aus "good old Germany" hinzu. Beim BND ist man über die Homepage unglücklich. Die Kommentare reichen von "unverständlich", "saudämlich" bis hin zu "nah am Dienstvergehen". Dass einer der für Pullach tätigen Geheimen sich selber preisgibt und sich auch in Gefahr bringt, gehört zu den neueren Erfahrungen mit dem World Wide Web. Bisher als Quelle für radikal-islamistische Links angezapft, dient es nun zur Nabelschau des Personals.
Links auf die Reste der Homepage und eine Seite mit dem vollen Namen von Reiner M. gibts bei Fefe.

Update: Nehm zieht den Schwanz ein.

Update 2: Im Blog der Grünen Jugend wird über die Frage diskutiert, ob die Enttarnung des Agenten nicht zu weit ging.

Und sonst: Bush und die NSA sind mit ihrem Geschnüffel auch weiter in den Schlagzeilen: Der US-Senator Specter hat in der Affäre um den von US-Präsident Bush genehmigten Lauschangriff auf Bürger ein Amtsenthebungsverfahren ins Spiel gebracht. Als die Worte gefallen waren, beeilte sich der Republikaner, seine Gedankenspiele als "theoretisches Szenario" zu relativieren. Die Spionage auch gegen US-Bürger geht zudem laut diesem Bericht schon weit über den angeblichen Wendepunkt 9/11 hinaus.

CNN-Korrespondent fliegt raus aus Iran: Die Mullahs haben einem CNN-Mitarbeiter die Arbeitserlaubnis entzogen, weil er dem Regime angeblich bewusst Schaden wollte. Auch andere CNN-Korrespondenten dürfen nicht mehr ins Land. Hintergrund ist ein Übersetzungsfehler.

Neues vielversprechendes Medienblog: This Wednesday, PBS will debut a new weblog called MediaShift, which will explore how new forms of digital media are dramatically changing American society and culture. The host of MediaShift will be longtime new-media commentator Mark Glaser, who departed Online Journalism Review in late November 2005. PBS says, "MediaShift will offer a continuing look at how digital media such as blogs, RSS, podcasts, citizen journalism, wikis, news aggregators, and video repositories are altering the way we live, play, and work.

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1 Comments:

At 11:22 vorm., Anonymous Anonym said...

Kleiner Nachtrag, im Gästebuch gibts bereits auch schon Links zum Haus, was sie gekauft haben - mit Lageplan.

Und die Homepage der Tochter ist nach wie vor online.

An den whois-Records kann man auch schön die Umzugshistorie nachvollziehen

 

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