2006-06-09

Verraten & verkauft: Nachrufe auf al-Sarkawi

--- Nach der Tötung Abu Mussab al-Sarkawi mit zwei je 500 Pfund schweren Bomben durch die US-Streitkräfte ist der Blätter- und Onlinewald voll von Nachrufen auf den Terrorführer. Eine "Würdigung" seiner Propagandatätigkeiten etwa gibt es in der New York Times:
Over the last two years, Abu Musab al-Zarqawi established the Web as a powerful tool of the global jihad, mobilizing computer-savvy allies who inspired extremists in Iraq and beyond with lurid video clips of the bombings and beheadings his group carried out. ... Zarqawi's Web propaganda generated and probably embellished his reputation in the Iraqi insurgency. But it also helped secure the Internet as a center of terrorist recruitment and instruction, partly supplanting the role of old al-Qaida training camps in Afghanistan, according to counterterrorism officials and analysts. In recent months, his video messages and vivid images of violence have been posted on multiple computer servers to avoid downloading delays, with one version designed for viewing on cell phones. "I would call him the Alexander Graham Bell of terrorist propaganda," said Evan F. Kohlmann, who follows militants' Web sites at GlobalTerrorAlert.com. "It's a new day for these groups because of him." In April, when Zarqawi posted a video that showed his face for the first time, sympathizers posted translations of his speech within hours in English, German, French, Dutch and other languages. A London man, Younis Tsouli, who was arrested on terrorism charges in October, is believed to have played a critical role in spreading Zarqawi's communiques, which the authorities say have helped incite homegrown terrorist plotters and suspects in many countries, including the 17 men arrested last week in Canada. "While Osama bin Laden traditionally relied on Aljazeera and the media to disseminate his propaganda, Zarqawi went straight to the Internet, which enabled him to produce graphic videos that would never have been shown on the mainstream media," said Rita Katz, director of the SITE Institute. Videotape that showed a masked man, thought to be Zarqawi, as he beheaded an American businessman in Iraq, Nicholas Berg, in 2004 became a gruesome model for others seeking similar notoriety. Videos later posted in Thailand showed people being beheaded by militants "who looked into the camera and said one word: 'Zarqawi,'" Kohlmann said.
Spiegel Online hat zudem Berichte zusammengefasst zur Frage, wie die Amis überhaupt Sarkawi auf die Spur kamen: Sie waren sich zum ersten Mal sicher, "zu hundert Prozent". Zum ersten Mal nach drei Jahren vergeblicher Hatz auf einen der meistgesuchten Terroristen der Welt, auf den größten Feind der jungen Demokratie im Irak. "Wir wussten genau, wo er war und wir haben den richtigen Moment abgewartet", erklärte US-Luftwaffen-Kommandeur Gary L. North nach dem gezielten Luftschlag gegen Abu Mussab al-Sarkawi - stolz und auch erleichtert. ... Am Ende kam der entscheidende Tipp aus dem innersten Zirkel seines eigenen Netzwerks. Ein verlässlicher Informant, ein Verräter in den Reihen der irakischen Qaida-Filiale hatte den USA zuvor immer gefehlt. Jetzt sagte die Quelle ihnen: Sarkawi befindet sich in dem kleinen Haus in Hibhib. Sarkawi starb mit fünf anderen, unter ihnen eine Frau und ein Kind, und der Mann, der die Amerikaner schließlich unabsichtlich zu ihm führte: sein Stellvertreter und geistlicher Berater, Abu Adel Rahman al-Iraqi. Rahman war einer der Schlüssel, um Sarkawi zu lokalisieren, sagte Armee-Sprecher William Caldwell. Seit mehreren Wochen waren Spezialkräfte Sarkawis Vize auf den Fersen - und warteten darauf, dass er sich mit seinem Boss treffen würde. Der entscheidende Durchbruch gelang nach Informationen der "Washington Post" im vergangenen Monat: Jordanische Geheimdienstmitarbeiter hatten nahe der irakischen Grenze einen wichtigen Akteur aus dem Sarkawi-Netzwerk gefasst. Ziad Khalaf al-Kerbouly arbeitete für den irakischen Zoll und half Sarkawi, Geld und Material ins Land zu schmuggeln. Kerbouly soll Kontakte zu Scheich Abdel Rahman verraten haben. Mit Hilfe einer ferngesteuerten Drohne begannen die Amerikaner, Rahman auszuspionieren, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf US-Offizielle. ... Laut "New York Times" gab schließlich ein irakischer Informant innerhalb des Terror-Netzwerks von Sarkawi den entscheidenden Tipp auf das Treffen Rahmans mit Sarkawi. Die Identität der Quelle ist nicht bekannt, genauso wenig, wie es ihr möglich war, den genauen Ort des Treffens zu kennen, ohne selbst getötet zu werden.

Und sonst: Während der Widerstand gegen die US-Truppen im Irak und die irakische Regierung mit dem Tod Sarkawis zunächst geschwächt sein dürfte, leben die Taliban in Afghanistan immer unverhohlener wieder auf: "Jeder Jugendliche kann zu Zarqawi werden". Der Tod des Al-Qaeda-Führers Zarqawi im Irak werde den Widerstand nicht schwächen, sagen die Taliban. Die afghanischen Extremisten feiern den Jordanier als Märtyrer.

Wie gut, dass endlich mal ein Minister zeigt, wofür Gesetze und Verfassungsvorgaben da sind: Jung: Bundeswehr wird Terror abwehren. Der Verteidigungsminister ist sich sicher: Die Bundeswehr wird im Terrorfalle auch im Inland die Waffen ziehen, selbst wenn das Grundgesetz dies gar nicht vorsieht. Die Awacs-Flieger der Nato sind bereits in der Luft.

Die polnische Rechtsregierung driftet ab: "Wenn Abartige demonstrieren, brauchen sie den Knüppel". "Homosexuelle muss man niederknüppeln". Solche Sätze äußern nicht nur polnische Skinheads, sondern auch Mitglieder der Regierungspartei LPR. Wenn Schwule und Lesben am Samstag demonstrieren, könnten Steine fliegen. Prominente sollen als Schutzschild dienen.

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