2006-10-26

Schock nach Bundeswehr-Schockfotos

--- Unsere Bundeswehr - kaum schicken wir sie ins wilde Afghanistan, da lässt sie schon die Sau bzw. den Schwanz raus neben einem Totenschädel. Die Bild-Zeitung hat die drei Jahre alten Fotos am Mittwoch veröffentlicht - passend zur Kabinettsentscheidung über den weiteren Einsatz unserer Chaotentruppe im Land der Taliban:
Auf einem Foto wird ein Totenschädel auf dem Tarnscheinwerfer eines Kleinpanzers vom Typ „Wiesel“ präsentiert.
• Das nächste Foto zeigt einen Mercedes-Jeep vom Typ „Wolf“. Ein Bundeswehrsoldat spießt den Schädel an einer Spezialvorrichtung zur Durchtrennung von Stahlseilen („cablecutter“) auf. Drei Kameraden schauen dem makaberen Treiben zu.
• Auf einem weiteren Foto posieren zwei Soldaten auf der Motorhaube des Jeeps – zwischen ihren Beinen den Kabeldurchtrenner mit dem aufgepflanzten Totenschädel.
• Ein anderes Foto zeigt einen lachenden Soldaten, der den Totenschädel stolz in die Kamera hält.
• An Perversität kaum zu überbieten ist das Foto, das einen Bundeswehrsoldaten mit entblößtem Glied in der linken und dem Schädel in der rechten Hand zeigt!
Unklar ist die Herkunft der Gebeine. Nach der BILD vorliegenden Aussage eines Bundeswehr-Angehörigen könnte der Schädel aus einem mutmaßlichen „Massengrab“ stammen.
Die Empörung ist riesig, interessanterweise vor allem bei Spiegel Online, wo man die Fotos wohl lieber gleich selbst "enthüllt" hätte. Jedenfalls überschlägt sich die Redaktion dort momentan mit grauenhaften Warnungen über die Folgen der Schweinerei mit Schlagzeilen wie Bundeswehrverband: "Solche Bilder spielen den Taliban in die Hände" oder Afghanistan reagiert schockiert auf Skandal-Fotos und der Fortsatz: Die afghanische Regierung fürchtet gewaltsame Proteste nach der Totenschändung durch deutsche Gebirgsjäger: "Radikale Kräfte suchen geradezu nach solchen Situationen", sagt Wirtschaftsminister Amin Farhang. Und weiter gehts: Skandalfotos: Bundeswehr sorgt sich vor islamistischen Racheakten. Aufgezählt werden auch alle erdenklichen Bundeswehrskandale: Scheinerschießungen und Kreuzigung. Folterspiele, Vergewaltigung, Hitlergruß: Immer wieder brachten Soldaten die Truppe in den vergangenen Jahren in Verruf. Bei Telepolis hört sich das Ganze dagegen deutlich verhaltener an: Betriebsausflug mit Totenschädel: ob die Bild-Fotos - wie die Fotos von Abu Ghraib - tatsächlich das Potential haben, die Bevölkerung gegen deutsche Soldaten aufzubringen, ist fraglich. Eine persönliche Beobachtung dazu am Rande: Während einer Reise in Grenzgebiete zwischen Pakistan und Afghanistan habe ich mehreren Polospielen zugeschaut. Im Rahmen größerer festlicher Turniere gab es immer wieder kleinere Schauspiele, wo der Ball durch einen Totenschädel ersetzt wurde, sehr zur Erheiterung der ortsansässigen Zuschauer, die sich noch steigerte, als sie die verblüfften Gesichter der westlichen Besucher sahen. Diese Beobachtung mag nur anekdotischen Charakter haben, zeigt aber die Möglichkeit an, dass Einheimische noch so alberne Spiele mit Totenschädeln nicht zwangsläufig allzuernst nehmen müssen. So oder so sind die Aufnahmen, von denen Schockerseiten wie Ogrish noch gar keine Notiz genommen haben, aber natürlich ein gefundenes Fressen für islamistische Propagandakrieger.

Die trumpfen derweil mit einem ziemlich heftigen Video auf: Der Sniper mit der Strichliste. Ein Schuss, ein US-Soldat sinkt zu Boden, der Schütze entkommt. Die "Islamische Armee im Irak" hat im Internet einen neuen Film ihrer Mordattentate veröffentlicht, der perfide wie nie den Tod von 600 Amerikanern proklamiert. Die Kunstfigur "Juba" wird als Meister-Sniper gefeiert. Dieses Video führt die "Hitliste" bei Ogrish gerade an.

<a href="http://del.icio.us/esmaggbe/terror" rel="tag">terror</a>, <a href="http://del.icio.us/esmaggbe/bundeswehr" rel="tag">bundeswehr</a>, <a href="http://del.icio.us/esmaggbe/afghanistan" rel="tag">afghanistan</a>

3 Comments:

At 10:15 vorm., Anonymous njus said...

Tut mir sehr leid aber hier die Vorfälle durch plumpen Relativismus herunterzuspielen ist zynisch und menschenverachtend. Es geht auch überhaupt nicht darum "den Islamisten in die Hände zu spielen".
Die deutschen Medien überbieten sich jetzt mal wieder darin Vorfälle zu listen die noch schlimmer sind. Ja im Irak gibt es noch weniger Pressefreiheit und noch weniger Menschenrechte. Und andere Länder die über keine Wehrpflicht verfügen, namentlich die USA oder Russland, haben eine Unterschichten-Armee und sind zumeist auch noch stolz darauf. Dort sind Rekrutenmisshandlung fast der Normalfall. Nur jetzt zu argumentieren, die USA sind noch viel schlimmer und die USA sind unsere Verbündeten also müssen wir uns da anpassen ist natürlich völliger Unsinn. Und wenn es bei Heise und in der Süddeutschen und sonstwo steht, dadurch wird es sicher nicht richtig. Richtig ist, die Bundeswehr hat im wesentlichen die Aufgabe der Landesverteidigung und ist eine Wehrpflichtarmee. Genau das steht im Grundgesetz und nichts anderes.
Wenn der sehr geehrte Herr Krempl solche Vorfälle als völlig harmlos bewertet dann hätte er sich vielleicht selber zur Bundeswehr melden sollen. Aus dem warmen Stübchen zynische Kommentare abzulassen zeugt nicht unbedingt von Heldenmut.

 
At 10:55 vorm., Blogger sk said...

es geht nicht um die relativierung des vorfalls, sondern um die relativierung des medienhypes darum.

 
At 11:33 nachm., Anonymous Leendert said...

Bundeswehr Skandal - Verteidigungsminister Jung tritt zurück!

Na endlich uebernimmt mal jemand die Verantwortung fuer die skandaloesen Zustaende bei der Bundeswehr!!

Bundeswehr Skandal - Verteidigungsminister Jung tritt zurück!

 

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