2007-05-18

Bagdad-Videoblogger made by USA

--- Auch wo Blogger draufsteht, ist nicht immer Authentizität drin:
Anschläge, Angst und ständige Unsicherheit - das Leben in Bagdad ist hart. Drei junge Männer aus der irakischen Hauptstadt berichten seit Wochen regelmäßig in Internet-Videoclips über ihren Alltag. Doch dahinter steckt ein cleverer Marketingtrick aus den USA. ... Nach dem ersten, flüchtigen Anschein besitzt die Idee zu "Hometown Baghdad" die üblen Eigenheiten des Reality-TV vom Schlage "Survivor", "American Idol" oder "The Real World": Selbstbespiegelungen von Möchtegern-Stars, die sich vor Videokameras im Wettbewerb spreizen. Im blutenden Bagdad trüge die Banalität morbide Züge. Und wer abgewählt wird, endet in einer Scheinhinrichtung? In Wahrheit gelingt der Serie "Hometown Baghdad", in der drei Iraker Mitte zwanzig auftreten, das Gegenteil des Reality-Genres: Hinter dem irrealen Alltag der täglichen Bombenanschläge und nach Dutzenden gezählten Toten tritt die unwirklich anmutende Realität von Ausama, Saif und Adel hervor, die um Normalität ringen. Das Internet ist das Forum für "Hometown Baghdad", die YouTube-Generation das Publikum. Die drei jungen Männer wurden, wie die "Los Angeles Times" in einer Reportage über die Serie berichtet, von einer New Yorker Produktionsfirma unter 50 Bewerbern sorgfältig ausgewählt. Sie gehören der oberen Mittelschicht an, sprechen Englisch. ... Adel, der Rebell, tritt in einer legendären Szene auf, in der er Graffiti an eine Häuserwand sprüht. Sie ist zu schön, um wahr zu sein. Das Kamerateam half der Realität nach, indem es brav die Erlaubnis der Behörden einholte und nach dem Dreh die Wand weiß tünchte.
Und sonst: Eine Medienverschwörung, die dann doch wieder keine ist (PDF-Datei): Nach langer Suche hat Gerhard Hofmann, Chefkorrespondent von N-TV und RTL, einen Verleger für sein Buch „Die Verschwörung der Journaille zu Berlin“ gefunden. Ganz neue These: Einige Medien haben 2005 bewusst an Gerhard Schröders Stuhl gesägt ... Hofmann: Das waren weniger einzelne Kollegen, als vielmehr Blätter. Da gehörte zum Beispiel der SPIEGEL dazu, natürlich BILD, in Teilen die FAZ, auch die ZEIT. Erstaunlich war das natürlich weniger bei BILD, als bei Druckwerken, die bisher eher auf der halblinken, sozialliberalen bis rot-grünen Seite zu verorten waren. ... Es gab keine gezielte Verschwörung – der Titel des Buches ist ironisch gemeint und als kleiner Bildungsnachweis in Anlehnung an ein klassisches Drama gewählt. Es ergab eine mehr oder weniger zufällige Interessenübereinstimmung: Die einen taten es aus Auflagenopportunismus. Andere, weil sie schon immer gegen Rot-Grün waren, wieder andere weil man so eher Talkshow-interessant wird. Und schließlich: weil‘s mehr fetzte – es hat einfach mehr Spaß gemacht, sich auf einen Machtwechsel einzurichten.

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