2007-05-16

Der Mythos von der vierten Gewalt

--- Der Spiegel hat anlässlich der Veröffentlichung des Buches Giftmüll macht schlank ein Interview mit John Stauber von PRWatch geführt. Dabei ging es auch um die "Mär" von der Presse als vierter Gewalt bzw. als "Bollwerk gegen Propaganda":
Amerika ist sicher das am meisten von Propaganda beherrschte Land der Welt. PR ist eine Multi-Milliarden-Industrie. Zehn Milliarden Dollar für PR sind eine konservative Schätzung. Anders als etwa in Deutschland sind bei uns die Journalisten zahlenmäßig den PR-Beratern deutlich unterlegen. Sie merken diesen Einfluss sofort, wenn Sie die USA mit anderen westlichen Demokratien vergleichen und darauf schauen, wie Themen wie der Klimawandel, Umweltgifte, und Arbeiterrechte diskutiert werden. Am Beispiel des Irak-Kriegs wurde das besonders deutlich. Die großen Medienkonzerne wiederholten im Prinzip die Lügen der Bush-Regierung. Noch im vergangenen Juli, so ergab eine Umfrage, glaubten über die Hälfte der Amerikaner, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besaß. Dann die Idee der "embedded reporter". ... Sie kam von Tory Clark, die vorher bei der Agentur Hill & Knowlton war und dann eine der Top-PR-Leute im Pentagon wurde. ... Es geht immer darum, den Medien das eigene Anliegen zu injizieren. Dazu gehört, für Stetigkeit in den Meldungen zu sorgen und die Medien entsprechend zu füttern. Bei Pressekonferenzen werden nur genehme Fragen oder Fragesteller zugelassen. Mit der Möglichkeit, im Schlepptau der Armee in Echtzeit vom Schlachtfeld zu berichten, bereitete die Regierung den Medien den Krieg so auf, dass er zum Quotenrenner wurde. Ein "Nachrichtenalarm" jagte den nächsten. ... Von Anfang 2003 bis Mitte 2005 zahlte die amerikanische Regierung 1,6 Milliarden Dollar an PR-Agenturen und Journalisten. Eine Agentur, die Lincoln Group, sorgte sogar für getürkte Nachrichten in irakischen Zeitungen. Für US-freundliche Berichte wurde einfach gezahlt - und die US-Regierung konnte das den heimischen Medien stolz vorhalten.
Auf die Rolle von Weblogs im Irak-Krieg geht Stauber nicht ein, tsts.

Und sonst: Die GIs verbrauchen zu viel Bandbreite mit Social Networking: Soldiers serving overseas will lose some of their online links to friends and loved ones back home under a Department of Defense policy that a high-ranking Army official said would take effect Monday. The Defense Department will begin blocking access "worldwide" to YouTube, MySpace and 11 other popular Web sites on its computers and networks, according to a memo sent Friday by Gen. B.B. Bell, the U.S. Forces Korea commander. The policy is being implemented to protect information and reduce drag on the department's networks, according to Bell.

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