2007-08-28

China-Spionage und Schleichwerbung

--- Wie kommt es, dass der Spiegel pünktlich zur China/Japan-Reise der Bundeskanzlerin in seiner Titelgeschichte über Hackerattacken von chinesischer Seite auf deutsche Regierungscomputer berichtet? Und sich der chinesische Premier dann auch noch während der Merkel-Visite genötigt fühlt, dazu in einer Pressekonferenz Stellung zu beziehen?
Fakt ist: Scoops entstehen meist, weil sie von interessierter Seite gesteckt werden. Das Image von Merkel als resolute Regierungschefin, die in einem Land wie China nicht nur Themen wie Spionage sondern auch die Menschenrechte anspricht, wird damit gestärkt.
Unverblümter geht es da bei den Bundesministerien zu: Nachdem erst eine Agentur für das Bundeswirtschaftsministerium Zeitungen Kupelgeschäfte zwischen redaktionellen Beiträgen und Anzeigen angeboten hatte, übernimmt jetzt offenbar das Bundesfamilienministerium Praktiken, die man bislang nur von der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft kannte. Dazu schreibt der Deutsche Journalistenverband heute: "Der Deutsche Journalisten-Verband verlangt von der Bundesregierung, sofort alle Versuche von Schleichwerbung zu beenden. Das ARD-Magazin Report Mainz hatte am gestrigen Abend über PR-Aktivitäten des Bundesfamilienministeriums berichtet, dessen Berliner Werbeagentur A&B One Hörfunksendern sendefähige Beiträge und Zeitungen layoutete Berichte über das Erziehungsgeld geliefert hat. Das Material der Agentur war durch O-Töne bzw. Zitate von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen angereichert. "Das ist Schleichwerbung in Reinform und hat nichts mit kritischem Journalismus zu tun", kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Ein Bundesministerium habe den Auftrag, die Öffentlichkeit über seine Arbeit zu informieren und nicht zu manipulieren."

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2 Comments:

At 5:22 nachm., Blogger Tilman Hausherr said...

Link zu der Schleichwerbung:
http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=2478132/18nebdd/index.html

 
At 8:47 vorm., Anonymous Anonym said...

Habe den Beitrag auch gesehen und fand die Entrüstung ziemlich aufgesetzt. Professionelle PR durch eine Agentur, bezahlt von einem Ministerium - kann man zweifelhaft finden, muss man aber nicht.
Worauf nämlich der Beitrag nicht eingeht, ist der in meinen Augen viel tragischere Punkt: Dass so genannte "Journalisten" in voller Breite vorgefertigtes Material übernehmen. Doch dazu kein kritisches Wort der Autoren des TV-Beitrags. Es ist und bleibt auch eine Angebots-Nachfrage-Diskussion: Wenn kein Redakteur mehr willens, in der Lage, oder interessiert ist, sich mit einer Materie zu beschäftigen und darüber zu berichten, ist das das eigentliche Armutszeugnis.

 

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