2007-12-20

Ist der Journalismus im Web 2.0 noch zu retten?

--- Peter Ehrlich hat einen anregenden Kommentar über die Qualitätssicherung der Medienberichterstattung in der FTD geschrieben:
Ist es Journalismus, wenn ein RTL-Fernsehteam den Ex-Arbeitslosen Henrico Frank in eine Bundespressekonferenz mit dem SPD-Vorsitzenden Kurt Beck einschleust? Einen Wortwechsel der beiden Männer inszeniert, die vor einem Jahr auf einem Weihnachtsmarkt aneinandergerieten - und dann über das "Ereignis" berichtet? Wie am Montag geschehen? ...

Seriöser Informationsjournalismus braucht ein Gütesiegel, eine Produktkennzeichnung, wie es sie für Elektrogeräte oder Biolebensmittel gibt. Die Lobredner der Blogosphäre und der weiten Welt der Internetforen, des Web 2.0 und der direkten Information erklären diese Art von Journalismus gelegentlich für überholt. Journalisten klassischer Medien wiederum blicken oft hochnäsig auf das, was wie eine weltumspannende Schülerzeitung wirkt. Beide Haltungen sind falsch. Auch wenn das Internet vor allem alltäglichen Informationsbedürfnissen dient, also digitaler Treppenhaustratsch und Marktplatz ist, stärkt es zugleich die politische und gesellschaftliche Kommunikation. ...

Journalismus wird deshalb aber nicht überflüssig. Im Gegenteil: Es geht um eine Dienstleistung, die ihrem Nutzer Zeit spart, indem sie wichtige Entwicklungen zusammenfasst und einordnet. Wenn die Quellen der Information korrekt vermerkt sind, kann jeder Nutzer sich weiter informieren, und er wird dabei implizit auch die Qualität der Zusammenfassung bewerten. Beeinträchtigt wird seriöse Nachrichtenvermittlung weniger durch die vielen Angebote und Quellen im Web. Der Informationsjournalismus leidet mehr unter der Jagd nach Einschaltquoten und Klickzahlen. ...

Journalismus als Informationsvermittlung muss klar von anderen Medieninhalten unterscheidbar sein. Dazu gehört, dass er sich eindeutigen Regeln unterwirft. Die meisten Zeitungen etwa unterziehen sich einer freiwilligen Selbstkontrolle, dem Deutschen Presserat. Der hat Regeln aufgestellt, etwa über die Abgrenzung zur Werbung, über die Berücksichtigung von Persönlichkeitsrechten und die sachliche Korrektheit von Informationen. ...

Nötig wäre statt des Presserats und der Rundfunkräte ein Deutscher Medienrat. Wer sich den Regeln dieses Rats unterwirft und bereit ist, Rügen bei Verstößen zu veröffentlichen, könnte das von mir geforderte Qualitätssiegel bekommen.

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1 Comments:

At 11:37 vorm., OpenID spessart said...

Der Medienrat ist zwar grundsätzlich eine schöne Idee, kann aber auch allzuleicht mißbraucht werden, so wie es auch mit der "Political Correctness" geschieht.

Allzugroße Selbstbeschränkung erzeugt einen Einheitsbrei in den wesentlichen Medien. Informationen werden durch Manipulation des zulässigen Wortschatzes verfälscht.

Selbsternannte Sittenwächter wachen über den richtigen Gebrauch des zulässigen Wortschatzes im jeweiligen Zusammenhang.

 

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