2007-04-29

Sympathie für al-Qaida anscheinend nicht strafbar

--- Sympathiebezeugungen für al-Quaida und Dschihad fallen hierzulande anscheinend unter die freie Meinungsäußerung:
Das Werben für den «heiligen Krieg» im Internet ist nach Auffassung des Bundesgerichtshofs (BGH) offenbar nicht strafbar. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet, stellt der BGH in einem Schreiben an die Generalbundesanwaltschaft fest, dass die Dschihad-Aufrufe des in Deutschland verhafteten mutmaßlichen Al-Qaida-Unterstützers Ibrahim R. nicht als Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu werten seien. Nach der Neufassung des Paragrafen 129a des Strafgesetzbuches im Jahr 2002 sei ein «Werben, das nicht auf personellen Zuwachs» für eine Organisation, sondern als allgemeine «Sympathiewerbung» gedacht ist, nicht mehr vom diesem Tatbestand erfasst. ... Der seit 1996 in Deutschland lebende Iraker war im Oktober im niedersächsischen Georgsmarienhütte verhaftet worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, durch das weltweite Verbreiten von Audio- und Videobotschaften unter anderem von Terroristenführer Osama Bin Laden und dessen Stellvertreter Ayman Al Zawahiri über das Internet in mehreren Dutzend Fällen eine terroristische Vereinigung im Ausland unterstützt zu haben. "Nach bisheriger Erkenntnis wird in den dem Beschuldigten zugerechneten Texten nur allgemein zum Dschihad» aufgerufen, zitiert das Magazin aus dem Schreiben des BGH. Eine Werbung für eine Organisation sei «nicht unmittelbar zu erkennen».
Einerseits gut, dass hierzulande ein Gericht auch mal an die Meinungsfreiheit denkt. Andererseits dürften islamistische Propagandaseiten wie die GIMF hierzulande damit anscheinend erst mal auf sicherem Boden stehen.

Und sonst: Wenn Roboter schießen: Einsatzregeln für Kampfroboter. Noch werden die Waffen von unbemannten Systemen aus der Ferne von Menschen bedient, aber man überlegt bereits, unter welchen Bedingungen sie auch autonom feuern sollten.

Bezahlte Nachrichten greifen in den USA um sich: Interessengebundene TV-Beiträge im Lokalfernsehen?

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2007-04-15

Der Aufstieg der Killer-Drohnen

--- Die New York Times beleuchtet den Erfolgszug der unbemannten Flugobjekte alias Drohnen:
For years, such planes — known as U.A.V.’s, for unmanned aerial vehicles — were pariahs within the military industry, scorned by commanders who saw them as threats to the status quo. But during the last several years, U.A.V.’s have amassed unusual political firepower. “For a long time, the only thing most generals could agree on was that they didn’t want any unmanned vehicles,” says Senator John W. Warner, the Virginia Republican who is a member of the Senate Armed Services Committee. “Now everyone wants as many as they can get.” ... This transformation is, in many ways, a reflection of how the military’s priorities and goals have changed over the last decade. It is also a testament to how much clout General Atomics has amassed in a short period of time. ... the Predator and General Atomics reflect the military’s transformation from conflicts built around manned armor to strategies organized around surveillance. U.A.V.’s embody the potential for quick, relatively effortless wars fought by drones controlled from great distances, and thus have become lightning rods for battles over the military’s direction. ... The Predator itself has offered critics some ammunition. One analyst estimates that 20 percent of all Predators sold to the United States military have crashed, because of errors by pilots controlling them from the ground. ... After taking office in 2001, President George W. Bush gave his defense secretary, Donald H. Rumsfeld, a mandate to remake the military into a more technologically advanced organization, and U.A.V.’s became a top priority, say former department officials. The Sept. 11 attacks and the wars in Iraq and Afghanistan heightened the push. ... “Predators became emblematic of what Rumsfeld wanted,” said Loren B. Thompson, a military analyst at the Lexington Institute. “Suddenly, everyone was saying they were ordering Predators, whether they actually wanted them or not.” ... In 2005, the Air Force announced that it was ordering enough Predators to equip 15 squadrons over five years, at a price of $5.7 billion. The Department of Homeland Security has bought two Predators for border control, and Italy and Turkey have also bought planes. A research firm, the Teal Group, predicts that the handful of U.A.V. manufacturers will collect about $55 billion worldwide over the next 10 years. General Atomics is expected to dominate a large portion of that market, said Philip Finnegan, an analyst at Teal. When Mr. Rumsfeld stepped down last year, one of the mandates that had bolstered the Predator for so long also disappeared. ... That presents a challenge for General Atomics, which is also confronting a flurry of competition. The major military contractors, including Northrop Grumman, Boeing and Lockheed Martin, have all jumped into the U.A.V. game. With billions of dollars at their disposal and deep military relationships, those companies can outspend smaller rivals. “This is an exploding marketplace, and we intend to claim a larger market share as it grows bigger and bigger,” said Gemma Loochkartt, a spokeswoman for Northrop Grumman. “Being a leader in this sector is important to maintaining leadership within the defense industry.” So General Atomics is aggressively building on its existing clout. Unlike many other military contractors, which wait for a guaranteed contract to build new products, General Atomics has set aside what some analysts estimate at $50 million to build the next generation of Predators. “We can move faster because we’re smaller, and we make sure people know that,” says Mr. Blue, who, at 72, still actively guides the company’s strategic direction. General Atomics has upgraded its manufacturing with a diverse range of automated and laser-guided tools that allow it to quickly change design specifications and produce custom-built planes, a flexibility that analysts say is almost unrivaled within the military industry.
Und sonst: re:publica was in town und diskutierte u.a. über einen Blogger-Kodex bzw. eine spezielle Ethik für die Betreiber von Web-Journalen und die zunehmende Kommerzialisierung von Weblogs. Fotos vom Konzert am zweiten Abend der Konferenz mit den Ohrbooten + Jammin* Inc gibts natürlich auch.

Richtungsstreit unter Islamisten: Während die Terroranschläge im Irak symbolisch immer wichtigere Ziele wie eine Tigris-Brücke oder das Parlament innerhalb der angeblich "grünen Zone" treffen, ist die militantische Szene vor Ort gespalten: Wenn Terroristen Terroristen bekämpfen. Sie sind zwar kaum weniger blutrünstig - aber mit al-Qaida mögen sie nichts mehr zu tun haben. Neun militante irakische Gruppen wollen die dortige Filiale des Terrornetzwerks isolieren. Denn al-Qaida töte zu viele Muslime. Und habe Interessen außerhalb Iraks.

Neuer Bundeswehr-Skandal durch "Motherfucker"-Video - seltsame Ausbilder hats da: Ein brisantes Video kursiert im Internet: Ein Ausbilder der Bundeswehr fordert darin einen Soldaten auf, bei einer Schießübung an "Afroamerikaner" zu denken und "Motherfucker" zu brüllen.

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2007-04-11

Die schleichende Irakisierung Afghanistans

--- Sieht nicht gut aus am Hindukusch - Propaganda gibts ausreichend von beiden Seiten:
Kurz nachdem deutsche Tornados zu ihren Einsätzen über Afghanistan gestartet sind, erschüttert eine neue Welle von Terroranschlägen das Land am Hindukusch. Immer öfter sprechen Experten von der Irakisierung. ... Die Zahl der "sicherheitsrelevanten Vorfälle" hat sich im Vergleich zum ersten Vierteljahr 2006 fast verdoppelt. Seit Januar wurden mehr als 130 Polizisten und Regierungssoldaten getötet, die meisten davon im Süden, in Kandahar und Helmand. Das westliche Bündnis hat bisher vor allem militärisch reagiert: mit Offensiven, mit mehr Soldaten - erst am Dienstag kündigte Australien an, seine Truppen auf mehr als 1000 Mann zu verdoppeln. Dennoch mehren sich die Stimmen, die Afghanistan "auf der Kippe" sehen. Von der"schleichenden Irakisierung" Afghanistans spricht der Essener Terrorexperte Rolf Tophoven. Dabei verzeichnet die westliche Schutztruppe durchaus Erfolge: Für den Frühling etwa haben die radikalislamischen Taliban eine Großoffensive gegen die afghanische Regierung und die Truppen der Isaf angekündigt. "Der Angriff steht unmittelbar bevor", drohte Mullah Dadullah, ihr militärischer Führer in der Region, lautstark bereits vor Wochen: "Die Zahl der Kämpfer, die bereitstehen, hat 6000 erreicht. Und sie wird auf 10.000 steigen." ... Von einer derartigen Streitmacht könne kaum die Rede sein, hält Lieutenant Colonel Robert Walker dagegen, der das 2. Bataillon des Royal Canadian Regiment kommandiert, eine in Kandahar stationierte Kampfeinheit mit 1150 Mann: "Abgesehen von ein paar Selbstmordattentaten und improvisierten Sprengfallen war bislang nicht viel von einer Offensive zu bemerken." Die Schutztruppe, die das Land für die schwache Zentralregierung in Kabul stabilisieren soll, scheint den Taliban mit ihrer eigenen Frühjahrsoffensive zuvorgekommen zu sein: der "Operation Achilles". Anfang März rückten amerikanische, britische, kanadische und niederländische Isaf-Einheiten im Norden von Helmand ein. Dort hatten sich die radikalislamischen Gotteskrieger im vergangenen Jahr breitgemacht, die Kontrolle über Dörfer und ganze Landstriche übernommen und ihre mächtigste Waffe in Stellung gebracht: "Papaver somniferum", besser bekannt als Schlafmohn, Rohstoff für Opium. Glaubt man der Isaf, dann ist die Operation Achilles, an der rund 5000 Soldaten beteiligt sind, ein durchschlagender Erfolg. Der Kajaki-Staudamm im Norden Helmands, in dem 40 Prozent der afghanischen Wasservorräte gespeichert sind, sei freigekämpft worden, berichtet der Luftwaffen-Staffelkapitän Dave Marsh. Ende vergangener Woche wurden Hunderte weitere Soldaten in die Provinz verlegt. Damit soll der Druck auf die Taliban weiter erhöht werden. ... "Es besteht kein Zweifel, dass die Taliban und ihre Sympathisanten zurzeit versuchen, aus dem Irak bekannte Taktiken zu übernehmen", sagt ein westeuropäischer Sicherheitsexperte: "Sie verfügen aber noch nicht über das gleiche Können wie die dortigen Aufständischen." Nachrichtendienste wollen herausgefunden haben, dass in Afghanistan das Verhältnis zwischen den heimischen Gotteskriegern und den Kadern des Terrornetzwerks al-Kaida alles andere als ungetrübt ist. Letztere sollen - etwa bei der Zündung von Bomben - über hochmodernes Know-how verfügen, dies aber nur ungern an die als rückständig geltenden Taliban weitergeben. "Die Taliban haben keinen Rückhalt in der Bevölkerung", sind sich Isaf-Offizier Walker und Polizeigeneral Alizei einig. Bei dieser Einschätzung dürfte allerdings einiges an Zweckoptimismus mitschwingen.
Passend zum Thema: Anti-Terror-Krieg steigert Terror-Gefahr. Eine neue britische Studie der Oxford Research Group beweist, dass mit dem "Krieg gegen den Terror" und der Irak-Invasion die Unterstützung für Islamisten gewachsen ist. Endringlich warnen die Experten vor einem Iran-Feldzug.

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INSM wollte Studis für dumm verkaufen

--- Ups, da ging der Start einer neuen INSM-Aktion aber ziemlich in die Hose:
"Liebes AStA-Team, am 10. April startet unicheck.de", heißt es einer Mail von Anfang April an verschiedenen Studentenvertretungen, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Ein gewisser Thorsten Schröder schreibt darin: "Unicheck ist von Studenten für Studenten und bewertet Universitäten u.a. danach, wie gut oder schlecht sie die Studiengebühren verwenden." Im übrigen sei er für eine schnelle Antwort, gerne auch per Telefon, dankbar, bitte aber ohne Grundsatzdebatten: "Wir diskutieren nicht mehr, ob Gebühren oder nicht, sondern jetzt sind sie da und wir schauen, was wird mit Eurem Geld gemacht." Was beim ersten Lesen nach einer neuen Service-Idee studentischer Jung-Unternehmer im Web klingt, hat in Wirklichkeit mit dem Konzept "von Studenten für Studenten" nur wenig zu tun. Denn die Domain unicheck.de wurde am 11. Januar 2007 von Jan Loleit bei der DENIC, dem nationalen Verwalter für Webadressen, registriert. Und Loleit ist nicht etwa Student, sondern "Chef vom Dienst" bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) - ein von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanzierter Think Tank, der sich nach eigenen Angaben als "branchen- und parteiübergreifende Plattform" versteht und sich "an drei Idealen orientiert, die schon Ludwig Erhard hochgehalten hat: Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Wettbewerb". In der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, bekennt die INSM, sei sie "neoliberal"; ein Eingreifen des Staates sei nur dann sinnvoll, "wenn beispielsweise Marktverzerrungen durch Monopole oder Kartelle einen fairen Wettbewerb zum Nutzen aller verhindern". Dass so ein Verein für Studiengebühren ist, versteht sich fast von selber. Die Initiative selbst zeigt sich überrascht über das Vorgehen Schröders, der als einer von drei studentischen Hilfskräften bei der INSM "Unicheck.de" redaktionell betreut. Das Motto "von Studenten für Studenten" sei ursprünglich mal ein Label für den Fragebogen auf der Website gewesen, das man dann aber wieder verworfen habe, sagt der Koordinator der Site bei der INSM, Ronald Voigt. "Wir wollen Studenten darum bitten, die Verwendung von Studiengebühren an ihrer Hochschule zu bewerten. Unser Ziel ist es, mit dem Portal mehr Transparenz herzustellen", sagt Voigt. Zwar werde das Portal von Studenten betreut, verantwortlich sei aber letztlich die INSM.
Inzwischen weisen mehrere Logos der Vereinigung auf der Site auch darauf hin.

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2007-04-05

Terroristen all over bei Spiegel Online und anderswo

--- Spiegel Online berichtet mal wieder ausgiebig über aktuelle Terrorbestrebungen und -netze in Nah und Fern. Zum einen geht es um Bin Ladens Eurofighter, also die ausgemachte Unterwanderung der EU durch al-Qaida:
Die Forscher umschrieben ihre Aufgabenstellung ambitioniert: "Wir müssen wissen, wer die Dschihadisten sind, woher sie stammen und wie sie aussehen." Ganz konnten die Niederländer Edwin Bakker und Teije Hidde Donker diesen Anspruch nicht einlösen. Aber ihre Studie "Dschihadistische Terroristen in Europa" liefert dennoch zuhauf spannende Ergebnisse. 242 Personen haben sie sich vorgenommen, die von 2001 bis 2006 in 28 Netzwerken organisiert waren, 31 Anschläge geplant und zum Teil auch durchgeführt haben oder haben sollen. (Einige gelten bisher als mutmaßliche Terroristen, weil die Verfahren noch nicht abgeschlossen sind.) Die Liste umfasst wenig bekannte Plots wie den Versuch, 2004 das oberste spanische Gericht anzugreifen, aber auch prominente Terrorattacken: zum Beispiel die Ermordung Theo van Goghs 2004 oder die Bomben in der Londoner U-Bahn 2005. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung: Es gibt keinen Standard-Dschihadisten. Die insgesamt 28 identifizierten Netzwerke unterscheiden sich den Forschern zufolge untereinander erheblich. Manchmal hatten die Behörden es mit Einzeltätern zu tun, im Falle der Bomben gegen Madrider Vorortzüge 2004 dagegen mit mehr als 30 Personen. Auch was das Alter der Attentäter angeht, klaffen die Daten auseinander: Der jüngste war 16, der älteste 59 - da ist es wenig aussagekräftig, dass der Durchschnitt bei 27,3 Jahren liegt. Im Inneren sind die Zellen allerdings überraschend homogen: Pakistaner finden meistens zu Pakistanern, Marokkaner zu Marokkanern und - im Falle der Kofferbomber in Deutschland - Libanesen zu Libanesen. Die meisten Dschihadisten sind Männer. Nur fünf Frauen tauchen in der Auswertung auf. Auch die Ziele und Methoden unterscheiden sich nicht allzusehr. Mit Abstand am häufigsten wurden Verkehrssysteme ins Visier genommen, in vielen Fällen sollte Sprengstoff zum Einsatz kommen. Die Zielauswahl war durchgehend perfide: Die Pläne richteten sich ausschließlich gegen zivile Einrichtungen oder Zivilisten. Unter den 242 Dschihadisten waren 11 Selbstmordattentäter - die die verheerendsten Anschläge begingen. ... Die Euro-Terroristen rekrutieren sich selbst. Das Internet spielt dabei eine besondere Rolle. Denn viele der untersuchten Dschihadisten versorgten sich über das Netz mit Propaganda von al-Qaida & Co. - und zwar verstärkt innerhalb weniger Monate vor der Tat. Das erhärtet, was Sicherheitsbehörden längst fürchten: Die Radikalisierungsphase fällt immer kürzer aus.
Auf der Basis vo US-Medienberichten gibt es zudem Einblicke in die afghanische Unterwelt unter dem nicht weniger aufmerksamkeitsstarken Aufhänger Al-Qaida reloaded: Die Nachrichten sind alarmierend: US-amerikanische und französische Geheimdienste sind überzeugt, dass das Terrornetzwerk al-Qaida sich reorganisiert. Sogar neue Ausbildungscamps soll es geben: In Afghanistan, aber vor allem in den schwer zugänglichen Stammesgebieten Nord-Pakistans. Eine neue Generation von Kadern sei nachgewachsen, heißt es - und einige werden verdächtigt, Anschläge im Westen zu planen. ... die Versuche, sich neu zu organisieren, sind unübersehbar. Die neuen Camps sind ein Indiz. Zwischen 10 und 300 Dschihadisten fassen sie, berichtet "Time". "Wir wissen, dass es sie gibt, aber es ist wie eine Nadel im Heuhafen zu suchen", zitiert das Magazin einen US-Militär in Afghanistan. Das Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan, erklärte jüngst Generalleutnant Michael D. Maples vom US-Militärgeheimdienst DIA, sei "ein Zufluchtsort für al-Qaida". ... Die CIA und Vizepräsident Dick Cheney haben ihre Sorge der pakistanischen Regierung von Präsident Pervez Musharraf bereits deutlich zur Kenntnis gebracht. Sie brachten markierte Karten mit. Auf den ersten Blick ist auf den schwarz-weißen Bildern nicht viel zu sehen. Doch es sind kleine Gehöft-ähnliche Strukturen, um die es ging: Meist nicht mehr als zwei bis drei Häuser, umgeben von hohen Mauern. Hier vermuten die US-Geheimdienstler die neuen Lager der Qaida. Die sogenannten "Tribal Areas", in denen sie liegen, entziehen sich Islamabads Kontrolle von jeher. Stammesfürsten agieren hier nach Gutdünken und bieten al-Qaida und den Taliban Unterschlupf. Innerhalb des US-Militärs wird bereits über Luftschläge auf pakistanischem Gebiet ohne Deckung durch Musharraf diskutiert, noch aber haben jene die Oberhand, die den Militärmachthaber nicht weiter unterminieren wollen. Eine ganze Reihe von Qaida-Kadern sind in die erste Reihe aufgerückt, warnen Geheimdienste. Und Aiman al-Sawahiri, der Stellvertreter Bin Ladens, könnte mehr Fäden in der Hand halten als bisher vermutet. Nach Erkenntnissen von CIA-Agenten in Pakistan kann der Ägypter innerhalb von 24 Stunden auf Anfragen anderer Kämpfer antworten. "Die Zeit der rigorosen Vorsicht scheint vorbei, Männer wie al-Sawahiri werden selbstsicherer", sagte ein westlicher Geheimdienstler kürzlich in Islamabad. In einem Fall fingen die Dienste sogar Anweisungen ab, wie mit einem Gefangenen umzugehen sei. "Die Befehlskette ist wieder geschlossen", zitiert die "New York Times" einen US-Beamten. ... Im vergangenen Sommer planten Islamisten, von London aus mehrere Passagierflugzeuge zu sprengen. Der Plan konnte vereitelt werden - doch die Spuren führten erstmals seit langer Zeit wieder bis zu einem bekannten Qaida-Kader. Der Ägypter Abu Ubaida al-Masri, so die "NYT", wird als Drahtzieher betrachtet. Er gilt als möglicher Nachfolger von Hamsa Rabia, dem 2005 getöteten Operationschef al-Qaidas, der wiederum bereits der vierte Nachfolger des legendären Chalid Scheich Mohammed war.

Bei LiveLeak gibt es derweil das neue Drohungsvideo der irakischen Entführer der beiden Deutschen. Mehr dazu in Telepolis: Pünktlich zum Abflug der deutschen Tornados nach Afghanistan, die nach wiederholter und deswegen nicht glaubhafterer Beteuerung von Verteidigungsminister Jung nur der Aufklärung dienen, aber nicht an Kampfeinsätzen beteiligtt sein wollen, haben die Entführer der beiden deutschen Geiseln im Irak wieder ein Video veröffentlicht. ... Nun scheinen die GIMF, eine Gruppe, die man in Deutschland und/oder Österreich vermutet und die vornehmlich deutsche bzw. englische Übersetzungen von Videos islamistischer Terroristen herstellt und im Netz verbreitet, und die "Pfeile der Rechtschaffenheit" direkt zu kooperieren. "Der zweite Aufruf an die deutsche Regierung" wurde jedenfalls von der "Abteilung für Fremdsprachen" der GIMF, wie es großsprecherisch heißt, übersetzt. Die GIMF, möglicherweise nur ein Ein- oder Zwei-Mann-Betrieb, will sich im deutschsprachigen Raum damit weiter profilieren ... In dem Video fleht wiederum Hannelore K. die Menschen in Deutschland auf deutsch an, ihnen zu helfen. Sie hätten nur noch kurze Zeit zu leben. "Bitte, macht was, helft uns", sagt sie wiederholt unter Weinen und schlägt vor, beispielsweise sich an Zeitungen zu wenden oder Protestmärsche zu organisieren. In der offenbar von den Entführern instruierten Ansprache der Entführten heißt es etwa, dass Deutschland und Österreich so lange sicher waren, bis sie sich mit den Amerikanern in eine "teuflische Koalition" eingereiht hätten. Die Kamera ist, während die Hannelore K. spricht, meist auf ihren Sohn gerichtet, der versucht, in diesem demütigenden und grausamen Schauspiel Haltung zu bewahren.

Update: Passend zum Thema auch: Not for your average jihadi. Al-Fajr Information Center, a jihadist organization, recently published the February issue of Technical Mujahid, a magazine released once every two months that is available online. ... According to the editor-in-chief of Technical Mujahid, Abu al-Mothanna al-Najdi, the objectives of the magazine are to eradicate the phobia and anxiety suffered by those who refrain from participating in jihad because they erroneously believe that intelligence services are monitoring their every move. Additionally, the publication aims to spread a sense of security, vigilance and self-confidence, in a scientific way, among members of jihadist forums by educating them in jihadist propaganda and enhancing their knowledge of field operations.

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2007-04-02

Iran übt sich in psychologischer Kriegsführung

--- Iran zieht in der Affäre um die 15 gefangenen britischen Soldaten weiter alle Register der psychologischen Kriegsführung. Gestern führte das iranische Fernsehen die "Eindringlinge" noch einmal vor, einer entschuldigte sich öffentlich beim iranischen Volk für die angebliche Verletzung des Territoriums:
"Alle 15 festgenommenen Soldaten haben akzeptiert, dass sie illegal in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen sind", meldete das iranische Staatsradio heute Morgen. Der staatliche Sender al-Alam zeigte gestern Abend Aufnahmen zweier britischer Soldaten in Khaki-Uniformen, die an einer Landkarte die Positionen ihres Schiffs erklärten. ... In dem TV-Kommentar hieß es, beide hätten datailliert geschildert, wie sie in iranisches Gewässer eingedrungen seien. Zudem hätten die beiden angegeben, sie würden gut behandelt. Eine Sprecherin des britischen Außenministeriums bezeichnete es in einer ersten Reaktion als "nicht akzeptabel, dass diese Bilder gezeigt werden".
Ungeachtet der neuen Videoaufnahmen bemüht sich London weiter mit diplomatischen Mitteln um die Freilassung seiner Soldaten. Dazu seien interne Gespräche im Gange, berichtete der Sender BBC heute unter Berufung auf Regierungskreise. Bereits am Wochenende zeichnete sich ab, dass London nun den direkten Kontakt zu Teheran sucht. Großbritanniens Außenministerin Margaret Beckett und Verkehrsminister Douglas Alexander bekräftigten ihre Bereitschaft zum Dialog. Sie sprachen allerdings nicht die von Teheran geforderte Entschuldigung aus. Verteidigungsminister Des Browne bestätigte, dass es zur Lösung des Konflikts "direkte bilaterale Kommunikation" mit den Iranern gebe. Einzelheiten nannte er nicht. Die Zeitung "Sunday Telegraph" zitierte einen Mitarbeiter aus dem Verteidigungsministerium mit den Worten: "Wir sind bereit, uns mit Iran über die Garantie zu einigen, dass wir niemals ohne ihr Einverständnis in ihre Gewässer eindringen, weder jetzt noch in Zukunft." Das Angebot sei aber kein Schuldeingeständnis oder eine Entschuldigung. "Ich glaube, die ganze Welt bedauert die Situation, die entstanden ist, und deswegen wollen wir einen Ausweg finden", sagte Außenministerin Beckett. Eine Lösung solle auf friedliche Weise und so bald wie möglich gefunden werden.
Ein Video-Mitschnitt des TV-Auftritts der beiden Gefangenen findet sich etwa bei LiveLeak, ein Bericht über die Darstellung der Affäre in iranischen Blogs bei Spiegel Online.

Derweil fällt das neue Schlachtenepos 300 von Warner Bros. bei den Iranern nicht ganz zu Unrecht unter die Kategorie westliche Propaganda: „Ganz Teheran ist in Aufruhr“, meldet das Magazin Time. Raubkopien des Films „300“ hatten die iranische Hauptstadt erreicht. „300“, die Verfilmung eines Comics von Frank Miller über die Schlacht zwischen Persern und Spartanern 480 vor Christus an den Thermopylen, hat gleich am ersten Wochenende 70 Millionen Dollar eingespielt. ... er Film zeichnet zwei Welten: die der Spartaner, in der schon die Säuglinge abgehärtet werden und die Achtjährigen den Schwertkampf mit ihren Vätern führen, und die Welt der Perser, in denen Laszivität, Korruption, Verweichlichung und Grausamkeit herrschen. „Hollywood hat eine neue Front im Krieg gegen den Iran eröffnet“, hieß es in den Abendnachrichten der staatlichen Fernsehanstalt Irans, und die Tageszeitung „Ayende-No“ schrieb: „Der Film präsentiert die Iraner als Dämonen, ohne Kultur, Gefühl oder Menschlichkeit, die an nichts anderes denken als daran, andere Nationen anzugreifen und Leute umzubringen. Es ist ein weiterer Versuch, das iranische Volk und seine Zivilisation in den Augen der Weltöffentlichkeit anzuschwärzen, in einer Zeit zunehmender amerikanischer Drohungen gegen den Iran.“ Die größte iranische Tageszeitung „Hamshari“ erklärt, der Film „dient den Interessen der amerikanischen Führung. Er wird eine Welle des Protests in aller Welt auslösen. Iraner in Amerika oder in Europa werden eine solche Beleidigung nicht hinnehmen.“ Javad Shamgari, der kulturpolitische Berater des Präsidenten Ahmadinedschad, erklärte, die USA wollten „Iran demütigen und die historische Realität verdrehen, um ihre eigenen Fehler wieder gutzumachen, indem sie amerikanische Soldaten und Kriegstreiber anstacheln.“ Der Iran, der sich wenig empfindlich zeigte, als es um die Versammlung internationaler Holocaust-Leugner auf staatliche Einladung ging, hat bei der Uno in aller Form gegen die Darstellung der (vorislamischen) Perser in „300“ scharf protestiert. ... Aber auch unter den westlichen Filmkritikern sorgt „300“ für Unmut. Die Besprechung in „Filmstarts“ nennt ihn gar „faschistische Propaganda“. Auch der Kritiker des „New Yorker“ äußert Verständnis für die erbosten Iraner. „Vielleicht haben die Iraner Schwierigkeiten zu verstehen, dass bei uns nicht die Regierung einen Film bestellt, sondern die Studiobosse. Aber man kann den Iranern nicht vorwerfen, dass sie keinen rechten Humor für unsere Popkultur haben. Sie haben in gewisser Weise recht: ‚300’ ist eine politische Fabel, die der gegenwärtigen Lage unheimlich auf den Leib geschneidert scheint. Wie viele antike Armeen sind, wie es hier von den Spartanern heißt, für die „Vernunft“ in den Krieg gezogen? Ein Hauch von Verachtung für den Osten – was Edward Said Orientalismus nannte – entsteigt aus dem Schlachtgetümmel, und macht ‚300’ zu einem Epos über den Aufstieg der Demokratie.“ Entstanden in einer Zeit der Frustration, in der Amerikaner „einen Krieg führen, den sie weder gewinnen noch beenden können, wirkt ‚300’ wie das Produkt einer Kultur, die langsam und schmerzhaft durchdreht.“

Und sonst: Aufregung ohne Berechtigung im Fall Kathy Sierra? Call for blogging code of conduct. The support for a blogger hounded by death threats has intensified with some high profile web experts calling for a code of conduct in the blogosphere. The female blogger at the centre of the row has been shocked to discover that hers is not an isolated incident.

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