2008-01-09

Hillary Clinton punktet nach öffentlichen Tränen

--- Das Zeigen von Emotionen scheint nicht nur Beziehungen manchmal zu retten, sondern auch Stimmen zu sichern in der Politik, jedenfalls konnte Hillary Clinton nach dem überraschenden Anfangserfolg von Barack Obama mit einer öffentlichen Gefühlsdarbietung und verweinten Augen nicht weniger unerwartet in New Hampshire bei der zweiten Vorwahl punkten. "Zurückgeheult ins Weiße Haus?", fragt die Welt daher frech online (Schlagzeile aber geklaut von der New-York-Times-Kolumnistin Maureen Dowd):
War es ihr tränenumflorter Blick, die brechende Stimme in einem Caféhaus am Morgen vor der Wahl, die Hillary Clinton retteten? Erbarmten sich die Frauen einer der Ihren, als sie einen Einblick gewährte, wie hart es ist, härter sein zu müssen als ein Mann, um Präsidentin zu werden? Man wird noch in Jahren darüber spekulieren, wie die Demoskopen in New Hampshire fast ohne Ausnahme so falsch liegen konnten und ob das Comeback Hillary Clintons der ersten offenen gezeigten Verletztheit in 35 Jahren geschuldet war. Oder doch der Fähigkeit, die Nöte, Hoffnungen und den Zorn der demokratischen Basis nach sieben Jahren Bush-Regierung besser zu erkennen als der Visionär Barack Obama mit seiner Botschaft von Heilung und neuem Aufbruch. Fest steht, dass ihr knapper Sieg der amerikanischen Demokratie einen Dienst erweist. Es gab keine Krönung, es gibt weder Underdogs noch Unvermeidlichkeit.
Neben den immer mal wieder falsch liegenden Demoskopen kommen nun natürlich die Amerika-Experten zu Wort. In der Netzeitung etwa Thomas Greven, der beide Favoriten bei den Demokraten nicht so ganz für die Mehrheit der Amerikaner für wählbar hält: Einige Amerikaner entwickeln für einen schwarzen Präsidenten sicherlich eine gewisse Begeisterung. Aber für das Gros der Amerikaner ist das eine schwierige Vorstellung. Offen wird das niemand zugeben, offener Rassismus ist nicht mehr opportun in den USA. Aber ein kulturelles Unbehagen ist da. Ich gehe davon aus, dass es angesichts des Erfolges von Obama eine Gegenbewegung geben wird. ...Eine konservative Frau wäre als Präsidentin für die Amerikaner leichter vorstellbar. Aber Clinton schleppt – wie schon gesagt - viel Ballast mit sich herum. Sie gilt in den USA als liberal, in Deutschland entspricht das einer links-liberalen Einstellung. Als Kandidatin wird sie offenen Widerstand provozieren und ihre Gegner stark mobilisieren. Beim Sieg John McCains bei den Republikanern sprechen viele Beobachter derweil gleich von einem Auferstehungswunder.

Und sonst: Infoschlacht um die iranische Schnellboot-Attacke im Persischen Golf: Erst bewies das Pentagon per Videoveröffentlichung die iranische Provokation im Persischen Golf - heute droht es der Regierung in Iran, sie müsse im Fall weiterer Konfrontationen auf See "Konsequenzen tragen". Provozierten iranische Boote US-Schiffe erneut, drohe ein Feuergefecht - und kein glimpflicher Ausgang wie bei dem Zwischenfall am Samstag. ... Die Szene stammt von Bord eines der US-Schiffe - dreieinhalb Minuten Filmmaterial, das die Darstellung des iranischen Außenministeriums widerlegt, es habe sich um einen "Routinezwischenfall" gehandelt. Ein Offizier der iranischen Revolutionsgarde hat laut Irans staatlichem TV-Sender "Press TV" geäußert, die USA hätten das Video gefälscht. ... Die entscheidenden 35 Sekunden O-Töne aus der Kommunikation zwischen Navy und einem der iranischen Boote hat das Pentagon veröffentlicht. Die Stimme eines Iraners sagt mit starkem Akzent auf Englisch: "Ich komme auf euch zu." Ruhig, aber bestimmt, erwidert ein US-Soldat: "Zwei Boote nähern sich unseren Kriegsschiffen. Ihre Identität ist nicht bekannt. Ihre Intentionen sind unklar." Man solle die Kommunikation aufnehmen. Dann pariert der iranische Soldat: "Ihr werdet in ein paar Minuten in die Luft fliegen" - als handelte es sich um einen militärischen Angriff oder ein Selbstmordattentat. Der US-amerikanische Soldat wiederholt diese Aussage. Dann endet die Pentagon-Aufnahme. Da kann man ja mal wieder glauben, wem man will.

Labels: , , , , ,