2008-01-04

Taugt Barack Obama als großer Hoffnungsträger?

--- Barack Obama hat sich in seiner Siegesrede nach dem überraschenden Triumph in Iowa bei den Vorwahlen als Hoffnungsträger stilisiert: Der dunkelhäutige Demokrat sprach von einem "entscheidenden historischer Moment. Wir sind eine Nation, wir sind ein Volk, die Zeit des Wandels ist gekommen." Er sei angetreten, um die "Politik der Teilung, der Ängstlichkeit und der Bitterkeit" in Washington zu beenden, zielte er nicht nur gegen die Bush-Regierung, sondern das gesamte Establishment. Ganz in diesem Sinne wandte er sich auch gegen "die Lobbyisten, die meinen, ihre Stimme sei lauter als die der Regierung und des Volkes". Ferner gelobte der 46-Jährige, "das Land von der Tyrannei des Öls ein für allemal zu befreien" und natürlich die "Truppen heimzubringen". Als internationale "Bedrohungen" nannte er unter anderem Terrorismus, Nuklearwaffen und Klimawandel. 9/11 müsse aber als Punkt der Einheit des Landes und der Welt betrachtet werden. "Menschen, die dieses Land lieben, können es ändern", ging es salbungsvoll bei der Selbstdarstellung als Inbegriff des - aber natürlich allen offen stehenden - American Dream weiter: "Meine Reise startete in den Straßen von Chicago." Es handle sich um eine Geschichte, "die sich nur in den USA abspielen konnte". Nun gehe es darum, "das Leben der Menschen ein wenig besser", den "Planeten etwas sicherer und sauberer zu machen." Am Anfang und Ende seiner Dank- und Kampfrede sprach Obama von einem historischen Augenblick, dem "Moment, in dem alles begann". Er gab ganz amerikanisch der Hoffnung Ausdruck: "Etwas Besseres weckt uns auf, wenn wir den Mut haben, dafür zu kämpfen." Die Geschichte werde "nicht für uns, sondern von uns geschrieben. Wir können die Welt so gestalten, wie wir sie wollen." Das Land verwandeln, "Stein bei Stein". Denn "gewöhnliche Leute können außergewöhnliche Dinge vollbringen". Und am Ende stand das pathetische Credo: "Wir sind bereit, wieder zu glauben." An was auch immer. Interessanterweise ist auch der unerwartete Iowa-Sieger der Republikaner, Mike Huckabee, gegen das Washingtoner Establishment gerichtet, und als Baptist ein guter Prediger. Die harte Rhetorik des Kriegs gegen den Terror der Bush-Ära scheint also so oder so in den USA aus der Mode gekommen zu sein.



Doch die beiden "Emporkömmlinge" werden es schwer haben:
Recent history hasn't been kind to insurgents who won early caucuses and primaries, with all of them faltering in later states. Obama and Huckabee now join Democrats Gary Hart (1984) and Paul Tsongas (1992), and Republicans George H.W. Bush (1980), Bob Dole (1988), Pat Buchanan (1996) and John McCain (2000), who each marshaled time-for-a-change anger to win a hotly contested race in Iowa or New Hampshire, only to fall to the favorite of their party's establishment. There are reasons to believe Obama and Huckabee are in better shape than any of those candidates, but the experiences of past insurgents suggest that Obama and Huckabee still have many challenges ahead of them. ... In the end, Clinton's emphasis on experience cast her as the candidate of Washington, a creature of her résumé. In New Hampshire, where Clinton has a stronger base of support than in Iowa, she will almost certainly make her point about Obama's vulnerabilities clearer. She'll also amp up her criticism of his "new politics" as a campaign slogan rather than a valid blueprint for change.
Ansonsten hier das Wahlergebnis aufgeschlüsselt nach Anteilen an allen 356.000 abgegebenen Stimmen, wonach 24,5% auf Obama, 20,5% auf John Edwards, 19,8% auf Hillary Clinton und nur 11,4% auf Huckabee entfielen. Gabor Steingart von Spiegel Online hält derweil an seinem Anti-Obama-Kurs fest: Wann immer er die Nebelwelt seiner wohlklingenden Wechselrhetorik verläßt, kommt ein Mann zum Vorschein, dessen Unsicherheit und Unerfahrenheit einem kühlen Beobachter unwillkürlich ins Auge sticht. Wired.com macht zudem Blogger, Jungwähler und Online-Kampagnen für den Ausgang der ersten Vorwahl verantwortlich, während Süddeutsche.de eine US-Blogschau unter dem Aufhänger "Wandel schlägt Erfahrung" liefert.

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1 Comments:

At 10:56 nachm., Blogger Dr. Dean said...

Schöne Übersicht! Vielleicht hätte man auch noch z.B. auf das MSNBC-Infoportal verlinken können oder auf die Polls-Sektion von realclearpolitics.

 

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