2008-04-10

Huffington Post im Scheinwerferlicht

--- Während die deutsche Bloggerszene vergangene Woche auf der re:publica mit sich selbst beschäftigt war und mehr oder weniger still und leise vor sich hingruschelt und Abmahnungen fürchten muss, jubelt Spiegel Online gerade mal die Huffington Post zum Wahlkampf-beeinflussenden Alpha-Blog hoch:
Was für eine Karriere: Die streitbare Millionärin und Kolumnistin Arianna Huffington hat ihr Blogger-Netzwerk zum einflussreichsten Alternativmedium der USA gemacht. Jetzt forderte sie die größten und wichtigsten Zeitungen des Landes heraus - und bestimmt entscheidend den Vorwahlkampf mit. ... Ein ganz normaler Tag für die "Huffington Post". Politik, Wirtschaft, Buntes, Klatsch: Die Inhalte des im weitesten Sinne politischen Blog-Angebotes sind eine wilde Mischung. Dazu geben Hunderte Gastblogger aus dem riesigem Bekanntenkreis der Gründerin Arianna Huffington ihren Senf: Filmstars wie Alec Baldwin, Steve Martin, Mia Farrow und Tim Robbins. Senatoren wie Evan Bayh, Joe Biden und Barbara Boxer. Sex-Autorin Erica Jong, Watergate-Legende Carl Bernstein, Ex-General Wesley Clark, Über-Producer Quincy Jones und New-Age-Guru Deepak Chopra.

In nicht mal drei Jahren seit ihrer Gründung hat sich die "HuffPo", wie sie nur genannt wird, vom Online-Experiment zur wichtigsten Informationsquelle für Millionen Amerikaner gemausert. So macht sie, als Meinungsführer der Google-Generation, langsam auch den etablierten Medien Konkurrenz - und mischt mit ihrem Kessel Buntes aus News und Kommentar kräftig im US-Vorwahlkampf mit. Und der hat die ungeniert progressiv-linke Seite jetzt ganz an die Spitze katapultiert: Im Februar schrieb der Ratingdienst Nielsen der "HuffPo" 3,7 Millionen Page-Visits zu, mehr als doppelt so viele wie noch im Dezember 2007. Womit die "HuffPo" erstmals den konservativen "Drudge Report" überholte, den bisherigen Platzhirsch unter den Polit-Blogs - auch das ein Zeichen für das gewandelte Klima in den USA. ...

Auf der Blog-Hitliste "Technorati" rangiert die "HuffPo" als meistverlinkte Adresse auf Platz eins, vor der Tech-Site "TechCrunch", dem linken Ur-Blog "Daily Kos" und dem Klatsch-Blog "TMZ". Das Magazin "Time" führt die "HuffPo" als einen der "25 besten Blogs der Welt". Als der Demokrat Barack Obama sich im Skandal um seinen Ex-Pastor Jeremiah Wright verteidigen wollte, tat er das zunächst nicht mit einer Pressekonferenz oder einer Rede. Sondern mit einem Essay in der "HuffPo". Auch Hillary Clinton steuerte im Februar einen Blog-Eintrag bei, zum Thema "Kinderarmut" - obwohl die meisten "HuffPo"-Blogger, inklusive Arianna Huffington, offen Obama unterstützen. ...

In Zukunft will Huffington darüber hinaus "mehr und mehr" investigative Eigenrecherche "mit Gesinnung" wagen, um damit ausdrücklich der "New York Times" und der "Washington Post" Konkurrenz zu machen.
Liegt das nur am deutlich größeren englischsprachigen Lesepublikum oder ist Deutschland einfach kein echtes Bloggerland?

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1 Comments:

At 5:01 nachm., Blogger Elfkingsdaughter said...

Deutschland ist kein echtes Bloggerland, stimmt. Wird es auch vermutlich nie - aber wir arbeiten dran, stimmt´s?

 

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