2008-08-13

Propaganda-Krieg im Kaukasus

--- In den letzten Tagen war im Rahmen der Berichterstattung über die undurchsichtigen Kämpfe zwischen Georgien und Russland rund um die Vorherrschaft am Kaukasus und die dortigen Energiereserven auch mal wieder viel zu lesen und zu hören von den unabdinglichen Propagandabemühungen beider Seiten, vom Krieg im Netz und teils gar von "Cyberwar". Spiegel Online etwa hat die Propagandaschlacht um Südossetien aufgearbeitet:
Übertriebene Opferzahlen, Falschmeldungen über Manöver - im Kaukasus-Konflikt haben sich Georgien und Russland mit Horrormeldungen überboten. Erstmals hat die Propagandaschlacht auch mit voller Wucht das Internet erfasst, mit Bloggern und Hackern als Soldaten im Cyberkrieg. ... Anna Neistat, Direktorin des Moskau-Büros von Human Rights Watch (HRW), drückt es so aus: "Der Klammergriff der staatlichen Propaganda ist besorgniserregend." Es sei praktisch unmöglich, "verlässliche Informationen über aktuelle Entwicklungen und reale Opferzahlen zu bekommen" ... Während die Menschenrechtlerin in ihr Funktelefon spricht, ist sie mit dem Auto unterwegs ins südossetische Zchinwali, "um sich selbst ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung zu machen". In Berichten über die südossetische Hauptstadt seien Opferzahlen klar manipuliert worden, sagt Neistat - einzig zum Zweck der kriegerischen Stimmungsmache. ... Übertreibung gehörte in diesem Krieg zur Informationspolitik: Das russische Staatsfernsehen zeigt zwischen den Nachrichten immer wieder Zusammenschnitte erschreckender Szenen aus Südossetien, untermalt mit getragener Musik. ... Mit der Verbreitung des Internets hat sich die Propagandaschlacht auch hier weiter zugespitzt - Fachleute sprechen schon vom "Cyberkrieg": Viele georgische Web-Seiten sind seit Tagen nicht mehr erreichbar, schuld sollen russische Hacker sein. Die estnische Regierung kündigte inzwischen die Entsendung von Computerspezialisten an, die Georgien im Konflikt mit Russland bei der Abwehr von Online-Angriffen unterstützen sollen.




Das georgische Außenministerium ist inzwischen bei Blogspot untergekommen und meldet von dort seine Propaganda. Dass russische Sender nicht zimperlich sind, beweist dagegen dieses Video von einem übereifrig in Deckung gehenden Saakaschwili. Insgesamt dürfte sich Georgiens Präsident leicht verkalkuliert haben mit dem Einzugbefehl für seine Truppen in Südossetien. Mehr zum Nebel im Kaukasus-Krieg bei Telepolis und zum angeblichen "Cyberwar" in der taz.

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1 Comments:

At 7:36 nachm., Anonymous FM said...

Ja, Krieg ohne Propaganda (von beiden Seiten) ist leider fast undekbar. Was ich besonders interessant finde, ist das außerhalb der russischen Medien kaum Journalisten von der russischen Seite berichten. Ohne Bilder keine Nachrichten. Ist das vielleicht der Grund warum die Mehrheit der Flüchtlingsgeschichten von der georgischen Seite kommen, statt der russischen? Tom Parfitt in The Guardian hat ein bewegendes Bild aus Vladikavkaz, Nord Ossetien, gezeichnet.

 

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