2009-01-13

Israel vs. Hamas: Krieg der Bilder im Gaza-Streifen

--- Wie jede größere kämpferische Auseinandersetzung wird auch der Krieg um den Gaza-Streifen von massiven Propaganda-Bemühungen über Einspielungen fürs Fernsehen und auf YouTube, Hackerscharmützeln im Internet sowie neuerdings auch über Twitter begleitet. Spiegel Online stellt in einem Bericht dazu vor allem die Bilderkontrolle der Hamas in den Vordergrund, während die israelische Seite natürlich genauso gut dabei ist am Zensieren unerwünschter Aufnahmen und dem Verbreiten "klinisch reiner" Raketentreffer im Stil des ersten Golfkriegs:
in der Bilderflut, die sich seit zwei Wochen per Satellit aus dem Gaza-Streifen heraus über die Welt ergießt, fehlen gewisse Motive. Bilder von Hamas-Kämpfern in Aktion, Aufnahmen von verletzten Militanten: Es gibt sie kaum. Dabei sind laut den Krankenhäusern im Gaza-Streifen nur etwa die Hälfte der über 800 der in den vergangenen zwei Wochen getöteten Menschen Zivilisten. Blutende Kinder, schreiende Frauen, Sanitäter, die im Laufschritt zivile Opfer des jüngsten Bombardements in die Notaufnahmen tragen: Was die Welt aus dem Gaza-Streifen sieht, ist vornehmlich das Leid der vom Krieg geschundenen Zivilbevölkerung. Dass das so ist, liegt auch am Druck, den die Hamas auf die palästinensischen Journalisten im Gaza-Streifen ausübt. Lokale Journalisten berichteten in den vergangene Tagen hinter vorgehaltener Hand, Hamas-Aufseher würden sie anhalten, keine Kämpfer zu zeigen. Die Aufpasser seien teilweise sogar vor den Journalisten vor Ort und gäben Anweisungen, was zu filmen sei. Teilweise seien die Hamas-Männer sogar handgreiflich geworden, um die Fernsehteams am Drehen zu hindern, sagte der ZDF-Kameramann seinem Sender. ...

Die internationale Presse hat seit Beginn des Gaza-Krieges keinen Zugang zu dem Küstengebiet: Obwohl das Militär vom höchsten Gericht Israels aufgefordert wurde, ausländische Journalisten in den Gaza-Streifen zu lassen, verweigert es den Zugang. Begründet wird dies mit Sicherheitsbedenken. Daniel Seaman, Direktor des israelischen Regierungsbüros für ausländische Presse, ist offener: Wiederholt sagte er, es sei im Sinne Israels, die Auslandspresse aus Gaza herauszuhalten. Mit der Hamas als Herrscherin über Gaza dürften ausländische Reporter in Gaza ohnehin nicht frei arbeiten und nur beschränkt recherchieren. So würde die Auslandspresse zum Sprachrohr der Hamas.
Die Produktion von News-Beiträgen rund um den Konflikt durch die Palästinenser hat sich bereits den Titel "Pallywood" eingefangen. Israel übt sich derweil in Psy Ops und wirft Flugblätter mit Androhungen weiterer Bombardements ab - auch ein echter Propagandaklassiker. Mehr zum "Krieg in Nahost und Social Media" im Metablocker von Politik Digital. Lesenswert auch: Uri Avnery über die "Lügen des Kriegs".

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