2010-11-28

Wikileaks enthüllt geheime Depeschen der US-Diplomatie

--- Seit einer Woche kündigte sich ein neuer Datenenthüllungstornado bereits durch hektische Manöver, mysteriöse Ankündigungen und Warnungen der US-Diplomatie an. Im Lauf des Tages dann der erste Leak auf Deutsch: In der Schweiz kam der traditionelle Wikileaks-Partner "Der Spiegel" verfrüht an den Kiosk und der Titelbericht fand seinen Weg rasch über Twitter ins Netz. Eigentlich war die Veröffentlichung erst um 22.30 mitteleuropäischer Zeit vorgesehen, doch inzwischen haben neben dem Spiegel auch die anderen bevorzugten Medien wie die New York Times und der Guardian ihre Einblicke in die rund 250.000 erhaltenen Geheimdepeschen aus US-Botschaften weltweit mit mehr oder weniger Multimedia-Klimbim drumherum online gestellt. Der Hauptartikel des deutschen Magazins klärt auf:
Wie schätzen die Amerikaner die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ein? Ist die Politikerin aus der ehemaligen DDR eine verlässliche Verbündete, hat sie sich bemüht, das unter ihrem Vorgänger belastete Verhältnis zu den USA zu reparieren? Allenfalls so la la. Zwar habe sie den Ton der transatlantischen Beziehungen verbessern wollen, stellt der ehemalige US-Botschafter William Timken in einer Depesche von Ende 2006 an das amerikanische Außenministerium fest. Sie habe aber "keine mutigen Schritte unternommen, um den substantiellen Inhalt dieser Beziehung zu verbessern". Ein Lob hört sich anders an. Und das Urteil über den deutschen Außenminister Guido Westerwelle? Seine Gedanken hätten "wenig Substanz", schreibt höchst undiplomatisch der gegenwärtige Chefdiplomat der USA in Berlin, Botschafter Philip Murphy. Das liege vor allem daran, dass offenbar seine "Beherrschung komplexer außen- und sicherheitspolitischer Themen noch Vertiefung erfordert". ...

Den Emissären von Außenministerin Hillary Clinton entgeht wenig: Aus der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku weiß ein spezieller "Iran-Beobachter" von einem Eklat zu berichten, der sich auf einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats in Teheran abgespielt habe. Zornentbrannt sei der Stabschef der Revolutionswächter, Mohammed Ali Dschaafari, auf Präsident Mahmud Ahmadinedschad losgegangen und habe ihm ins Gesicht geschlagen, weil sich der sonst so konservative Staatschef überraschend für mehr Pressefreiheit eingesetzt habe. Solche Überraschungen aus den Annalen der US-Diplomatie werden in den nächsten Tagen die Schlagzeilen beherrschen, denn von diesem Montag an beginnen die "New York Times", der Londoner "Guardian", der Pariser "Monde", das Madrider "País" und DER SPIEGEL damit, den geheimen Datenschatz des Außenministeriums ans Licht zu holen. Aus einem Fundus von 243.270 diplomatischen Depeschen, die Amerikas Botschaften an die Zentrale sendeten, und 8017 Direktiven, welche das State Departement an seine Botschaften in aller Welt verschickte, versuchen die beteiligten Medien in einer Serie von Enthüllungsgeschichten nachzuzeichnen, wie Amerika die Welt lenken möchte.
Für mehr oder weniger peinliche Nachrichten die ganze Woche über ist also gesorgt. Die Depeschen stammen übrigens aus dem SIPRnet, das die USA nun laut Guardian wieder ein wenig stärker abdichten wollen. Bei Wikileaks selbst gibt es derzeit noch nichts mit eigenen Augen zu sehen und zu durchforsten: Überraschung -- die Site leidet nach eigenen Angaben derzeit unter einer massiven "Denial of Service"-Attacke, die wohl nicht nur auf die verstärkte Nachfrage der Nutzer zurückzuführen ist.

Update: Die Secret US Embassy Cables sind bei Wikileaks nun derzeit problemlos erreichbar.

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1 Comments:

At 3:21 vorm., Blogger Manfred said...

Wikileaks hat viel Interessantes veröffentlicht, das unseren Medien keinen Bericht wert war. Ob irgendwer etwas gegen Angie hat ist ja auch viel wichtiger als die Tatsache, dass die USA aktiv die Unterwanderung, Islamisierung und Multikulturalisierung Europas betreiben, und dass es für die klandestinen Machenschaften, deren sie sich dabei bedienen, jetzt dank Wikileaks handfeste Beweise gibt:

http://korrektheiten.com/2011/02/02/us-strategie-mulitkulti-frankreich-wikileaks/

http://korrektheiten.com/2011/02/08/die-us-strategie-umerziehung-europa/

 

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